
Zeitlang, fördert ein arg zerknittertes Schreiben oder Aktenstück zutage und
teilt mir das Wissenswerte daraus mit. Das Wissenswerte ist immer nur eine neue
Verzögerung oder Schwierigkeit.
    Ich äußere meine Besorgnis, dass immer noch und immer noch... Er hört kaum
darauf hin und sagt mit gewaltiger Stimme:
    »Ich verstehe den Krempel ja auch nicht... ich verstehe überhaupt nichts von
Geldgeschichten... aber seien Sie nur ruhig, gnädige Frau, es wird schon alles
gut werden.«
    Dann vertieft er sich wieder in die Vorzüge seiner Hunde, fragt mich, ob die
Leute gut spielen, zeigt mir einen neuen Revolver, den er für besser hält als
den vorigen, trinkt ein Glas nach dem anderen, und man hat den Eindruck, als ob
er sich recht glücklich fühle.
    Selten, selten gelingt es mir, ihn etwas redseliger zu machen - ich bin
jetzt auch selbst so konstelliert, meine Gedanken kreisen wieder einmal wie in
einem monotonen, betäubenden Wirbel immer um dasselbe: wann kommt das Geld? So
ist dieser Mann zweifellos die gegebene Gesellschaft für mich.
    Aber wie gesagt, es kommt auch vor, dass er ein wenig mehr auftaut, Fragmente
von sich selbst erzählt oder fragmentarische Ansichten über Menschen und Dinge
äußert.
    Die über Menschen sind kurz und bündig. Von Männern lässt er nur den Typus
Teufelskerl gelten, der ungeheuer trinken, spielen oder sonst etwas kann. Die
anderen interessieren ihn nicht. Findet er einen solchen, so bewundert und
protegiert er ihn, stopft ihm die Taschen voll Geld, sofern er selber welches
hat usw. Er selbst ist in seiner Jugend von der Schule durchgebrannt, um Matrose
zu werden, und späterhin jahrelang Goldgräber gewesen. Sobald das Pflichtteil da
ist, will er in den Ural gehen und wieder graben. Aber vor allem müsse man dazu
Geld in der Tasche haben, sonst käme nichts dabei heraus.
    Ob ich ihn nicht doch mit Henry bekannt mache... Und in dieser Umgebung
unter Matrosen und Goldgräbern habe er Teufelskerle kennengelernt!... Ob er sich
selbst als vollgültigen Teufelskerl ansieht, ist mir nicht ganz klar, jedenfalls
ist es sein heimlicher Ehrgeiz, und er ist vielleicht nur zu bescheiden, sich
den Titel beizulegen.
    Die Frauen verachtet er ziemlich gründlich, zum Teil ist wohl seine erste
Ehe daran schuld. Denn als ich einmal flüchtig jene Frau erwähnte, gab es eine
lange Pause. Mindestens dreiviertel Stunden trank er schweigend weiter und sagte
dann plötzlich voll ingrimmiger Überzeugung: »Die Weiber sind alle Halunken.«
    Ich hatte längst vergessen, wovon die Rede war, und sah ihn wohl etwas
erstaunt an, denn er setzte milder hinzu: »Nein, Sie meine ich nicht, gnädige
Frau.«
