 produktiver,
und er weiß sie glückhafter auszugestalten.
    Er wohnt im Hotel drunten am Marktplatz, hat, da die Ankunft des
Pflichtteils jetzt auch dem Laien außer Frage steht, unbeschränkten Kredit, hält
sich ein Mietauto, mit dem er den ganzen Tag herumsaust, und lässt abends eine
italienische Musikbande kommen, die ihm bis nach Mitternacht vorspielen muss.
Ferner kauft er sich alle möglichen Schiessgewehre - er braucht die nicht, denn
er ist kein Jäger, aber sie machen ihm Vergnügen, ebenso wie seine Tiere, drei
Bernhardiner und ein Wolfshund. Tagelang ist er mit dem Auto unterwegs gewesen,
bis er diese Meute zusammengebracht hat. Die Bernhardiner sitzen oder liegen
dekorativ vor dem Hotel herum und verursachten anfangs Volksaufläufe, da man
hier noch nie dergleichen Tiere gesehen hatte. Der Wolfshund dagegen zeichnet
sich durch unbändiges Temperament aus und richtet allnächtlich ein Hotelzimmer
zugrunde, er zerreißt die Betten, beißt die elektrischen Drähte ab und
ähnliches. Aber mein rauer Gatte lacht sich vor Vergnügen halbtot, wenn man ihm
die Rechnung dafür präsentiert, und fordert alle auf, das Benehmen dieses
Teufelskerls zu bewundern. Um ihn nicht zu kränken, stimme ich aus vollem Herzen
bei - solange er ihn nicht ins Sanatorium bringt. Der Hotelbesitzer ist
ebenfalls Feuer und Flamme für das Tier wie für seinen Herrn, weil er auf diese
Weise sämtliche Zimmer neu hergerichtet bekommt. Man weiß natürlich in der
Stadt, dass wir verheiratet sind und dass große finanzielle Ereignisse uns
umwittern. Da hier sonst wenig Sensationelles passiert, sind wir mytische
Persönlichkeiten und ungeheuer populär. Allzu oft lasse ich mich zwar nicht
blicken, aber es kommt doch manchmal vor, dass ich an der Seite meines Gemahls
mich dem erstaunten Volk zeige.
    Mit den anderen habe ich ihn nicht erst bekannt gemacht, er passt nicht zu
ihnen und ist ausgesprochen menschenscheu. Er ist überhaupt sehr merkwürdig und
spricht wenig. Was andere sagen, pflegt er zu überhören und reagiert nur selten
darauf. Will ich also etwas von ihm wissen - er zitiert mich manchmal zu einer
wichtigen Besprechung -, so heißt es ruhig dasitzen und abwarten, bis er davon
anfängt. Er lässt Wein bringen, die Musikanten warten immer schon an der nächsten
Straßenecke, bis man sie herbeiwinkt. Dann stehen sie auf der Piazza vor dem
Hotel und spielen, er wirft ihnen Geld zu und lässt ihnen zu trinken geben. Ich
spende ihnen hier und da ein huldvolles Lächeln und warte darauf, dass er mit der
Besprechung beginnen wird. Irgendwann kommt denn auch der Moment, wo er sich
daran erinnert und mit der Hand unter seine Lederjacke fährt - er hat einen
merkwürdigen Kleidungskomplex, denn ich habe ihn noch nie in einem anderen
Kostüm gesehen als: Schaftstiefel, Kniehosen und lederne Jacke - er sucht eine
