, um das Jetzt als Ferienzeit aufzufassen, wie man als
Kind die großen Sommerferien festlich beging. Sie schienen endlos, und doch
wurde man die Gespenster nicht ganz los - Lehrer, Schulstunden und
Strafarbeiten, und wusste ganz genau: davor war die Hölle, und dahinter lauerte
auch wieder die Hölle - wie könnte man es nur anfangen, darum herumzukommen.
Nein, das gibt's eben nicht, einmal wird man doch wieder in die Schule müssen
und wieder nachsitzen, weil man die Rechenaufgaben nicht in den Kopf kriegen
kann. Es kommt mir jetzt recht symbolisch vor, dass ich früher wegen jeder, aber
auch jeder Rechenaufgabe nachsitzen musste. War sie einmal richtig, so hatte ich
entweder abgeschrieben, und dann gab es erst recht Strafe, oder es beruhte auf
einem Zufall, an den niemand glauben wollte. Wie das den Charakter verdirbt...
man kann sich schließlich nur damit trösten, dass auch der Lehrer infolge seiner
eigenen Infamie um seinen freien Nachmittag kommt. Und später... was hatte ich
von Haus aus für einen sympatischen Charakter, und wie sehr hat er unter den
Geldkamalitäten gelitten. Es gibt gewiss keine Gemeinheit, die ich nicht mit
Vergnügen beginge, wenn sie sich rentierte, aber es gibt zu wenig Gelegenheit...
die wirklich rentablen Gemeinheiten kommen immer nur in Romanen vor. Wenigstens
die sich mir bisher boten, waren nicht der Mühe wert. Ich hätte beispielsweise
einmal jemandem mit zwanzigtausend Mark durchbrennen können, und die drei Tage,
wo ich sie in Obhut hatte, waren qualvoll genug. Aber wie weit wäre ich damit
gekommen, über kurz oder lang hätte ich doch wieder umkehren müssen. Wären es
hunderttausend gewesen, so hätte ich eher die moralische Kraft dazu gefunden.
    Ich will mich lieber nicht weiter in diesen Gegenstand vertiefen. Henry gab
uns gestern ein kleines Souper, man war etwas zu lustig, und ich habe heute ein
wenig Katzenjammer. Dann fallen einem alle möglichen trüben Dinge wieder ein.
Lieber hör' ich auf...
 
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Schlimme Nachrichten, Maria. Meine neulichen Abendbetrachtungen waren Vorahnung.
Wie ich dieses zweite Gesicht verwünsche, aber ich habe es nun einmal.
    Also zuerst, was mich selbst betrifft. Ich weiß nicht, ob ich Dir erzählte,
dass der Miterbe schon einmal verheiratet war. Dass er mit dieser ersten Frau
denselben Kontrakt auf Erbteilung gemacht hat wie mit mir, wusste ich allerdings
nicht. Sie hat sich dann schlecht bewährt, und er ließ sich von ihr scheiden.
Jetzt aber, nach dem Tode des alten Herrn, ist sie wieder aus der Versenkung
aufgetaucht, will ihre Ansprüche geltend machen und droht durch ihren Anwalt die
Erbschaft mit Beschlag belegen zu lassen. Im besten Falle gibt es also
