 müssen wir die
Angelegenheit von A bis Z mit ihm durchnehmen, auf neue Mittel und Wege sinnen,
Briefe oder Gesuche aufsetzen und was sonst noch dazugehört. Ich versuchte
vergebens, ihn auf meinen Rechtsbeistand abzuschieben, der das alles sicher
besser machen könnte. Mit eben diesem Rechtsbeistand ist es allmählich auch eine
dumme Situation. Um für ein paar Stunden aus der Anstalt zu entrinnen, muss ich
ihn zwei- oder dreimal in der Woche aufsuchen und überflüssige Fragen an ihn
richten... er hält mich sicher schon für die größte Gans auf Gottes Erdboden.
Balailoff aber hat einen ausgesprochenen Anwaltskomplex, behauptet, alle
Advokaten seien Gauner und Schurken und arbeiteten nur in ihre eigene Tasche. Er
scheint reizende Erfahrungen mit ihnen gemacht zu haben... vielleicht liegt es
auch an den russischen Zuständen.
    Man hat es nicht leicht auf der Welt, liebe Maria, und mit diesem
Stossseufzer will ich für heute abbrechen.
 
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Teufel... der alte Herr hat uns aufs Pflichtteil gesetzt!
    Auf den Gedanken war überhaupt noch keiner von uns gekommen, aber ich sehe,
auch Erben gehört zu den Sachen, die man erst lernen muss.
    Das Telegramm kam, als wir gerade einmütig auf der Terrasse saßen... Henry
ist auch wieder da.
    Ich behaupte ja glücklicherweise bei schlechten Nachrichten meine Haltung
immer besser als bei guten, und es ist draußen so heiß, dass man sich nicht auf
Emotionen einlassen kann. Immerhin fühlte ich mich doch unangenehm berührt und
gab die Depesche gleich an Lukas weiter. Der sprang trotz aller Hitze auf und
ging wie ein zorniger Löwe hin und her. Ja, er war beinahe gereizt gegen mich,
weil seine Ratschläge mit dem festgelegten Kapital jetzt definitiv vereitelt
sind und ich nicht umhinkonnte, wenigstens über diesen Umstand ein wenig zu
triumphieren. Dann aber war er schamlos genug zu sagen, in diesem Falle müsse
ich mir unbedingt eine Leibrente kaufen, um doch wenigstens irgendwie gesichert
zu sein.
    »Pfui nein... das bloße Wort...« - Baumann lächelte - »Sie wissen, lieber
Doktor, ich leide überhaupt an Wortidiosynkrasien... Leibrente klingt mir nach
Leibweh, Leibbinde, Kamillentee, alten Tanten... es hat etwas durchaus
Degradierendes.«
    »Diese Wortidiosynkrasie fügt sich dem Geldkomplex vollkommen ein.
Vermutlich fühlten Sie sich als Kind degradiert und eingeengt, wenn man Sie mit
einer Leibbinde und Kamillentee, womöglich noch unter Obhut einer alten Tante,
ins Bett steckte... Aus dieser Erinnerung heraus machen Sie nun eine
Ideenassoziation mit dem Wort Leibrente, um das eingeengte Dasein, was eine
solche bieten würde, abzulehnen.«
    »Sie fangen an mich zu überzeugen.«
    »Und ich fühle immer weniger Veranlassung, für
