 ausführlich nach der Erbschaft und ihren näheren Umständen
erkundigt, und man vertiefte sich so in dieses Thema, dass es zu spät wurde, um
mit der Behandlung fortzufahren.
    Aber unerbittlich nimmt er mich jeden Tag eine Weile vor... Es ist ein
Kreuz, und ich muss doch tun, als nützte es etwas. Die Heilung soll nämlich
dadurch geschehen, dass man dem Patienten eine andere Einstellung gibt. Bei mir
gibt es nur zwei Möglichkeiten, und man braucht eigentlich keinen Psychiater, um
das einzusehen. Nämlich entweder müsste man die durch Faulheit, Bequemlichkeit
usw. verdrängte Energie wieder mobil machen und auf irgendeine zweckmässige Weise
zu Geld kommen, oder aber sich darauf einstellen, es unwichtig zu finden und
entbehren zu können... Das ist natürlich nur ein unvollkommen wiedergegebener
Extrakt, im Munde des Arztes klingt es ganz schön, ausführlich, umständlich und
einleuchtend. Aber was soll man damit anfangen, das alles kann ich mir ebensogut
selbst vorerzählen und ändere doch nichts damit.
    Lieber schwätze ich über andere Sachen mit ihm und hetze ihn und Henry
möglichst aufeinander. Henry kann es viel besser als ich, er nimmt es mit
ähnlichem Ernst wie seine Spekulationen. Ich habe das Gefühl, dass er nach allen
Seiten hin erwägt, wie man ein zerrüttetes Nervensystem sanieren, etwas Neues
darauf gründen oder einen unhaltbaren inneren Zustand liquidieren könnte.
    Genug und übergenug davon. Ich fürchte, sonst entdeckt Ihr gar noch Eure
eigenen Komplexe und wollt immer mehr darüber wissen. Und ich bin doch
schließlich nicht im Sanatorium, um über die Qualen, die ich hier ausstehen muss,
auch noch Abhandlungen zu schreiben.
 
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Wieder ein Telegramm des Miterben. Der Anwalt habe sich geirrt, es könne sich
doch wohl höchstens um dreihunderttausend handeln.
    Seine Berichte sind neuerdings ein wenig konfus und bestehen zumeist in
telegraphischen Vermutungen. Gott weiß, ob sie das Testament nun wirklich
gefunden haben, und ob es überhaupt wahr ist, dass man es nicht gleich fand. Uns
kommt das etwas merkwürdig vor, aber die Sache spielt sich in so weiter Ferne
ab, dass man unmöglich näheren Einblick gewinnen kann. Eröffnet kann es
jedenfalls noch nicht sein, sonst müsste er doch Genaueres wissen.
    Lukas findet das sehr beunruhigend, er traut dem Miterben, wie allen
anderen, die damit zu tun haben, nicht recht, und bot mir sogar eine Leihsumme
an, um selbst hinzufahren.
    Nein, ich danke, ich werde mich hüten, das Geld durch meine persönliche
Einmischung noch rebellischer zu machen. Wie man sieht, haben schon
hunderttausend rebelliert, eben die hunderttausend, die nach Lukas' Aufstellung
zu meiner freien Verfügung bleiben sollten.
    Er fand das schon vollkommen wahnsinnig.
    »Jetzt müssen Sie aber unbedingt das Ganze auf Zinsen
