 das
Wort ab.
    »Nicht gekauft und nicht geschenkt bekommen, also was denn sonst? Gestohlen
vielleicht?« höhnte Dorotea mit feig entfliehendem Blick.
    Niemals hab ich so mit Menschen gesprochen, niemals haben Menschen so mit
mir gesprochen, durchzuckte es Daniel. Er wurde furchtbar bleich, trat zu ihr,
schloss seine Hand wie eine Eisenklammer um ihren Arm und sagte: »Es soll mir
recht sein, wenn du mein Geld verschwendest. Es soll mir recht sein, dass du in
nichtswürdiger Gesellschaft deine Zeit vertändelst. Es soll mir recht sein, dass
dir mein Wohlbefinden und meine Seelenruhe gleichgültig ist und dass du dein
armes Kind verkommen lässt. Ich will mich in alles dieses fügen. Wozu brauch ich
regelmässiges Essen; wozu muss mein Frühstückskaffee warm, mein Wecken frisch vom
Backofen, wozu muss meine Wäsche ausgebessert, mein Fenster geputzt, mein Spind
in Ordnung gebracht, meine Stube gekehrt sein? Es ist mir ja nicht an der Wiege
gesungen worden, dass ich soll behaglich leben dürfen.«
    »Och, du tust mir weh, Daniel,« sagte Dorotea in bangem Ton, »lass, bitte,
meinen Arm los.«
    Er lockerte den Druck, ließ aber den Arm nicht los. »Geh du, mit wem du
willst. Mögen die dich schätzen, die dir wert sind. Und was das Geld betrifft,
da hast du alles, da ist all mein Geld.« Er zog einen gestrickten Beutel aus der
Tasche, der voll Münzen war, und schleuderte ihn auf den Tisch. »Ich will, damit
du schöne Kleider hast, am Sonntag die Orgel spielen. Ich will, damit du
Maskenbälle und Christbaumverlosungen besuchen kannst, noch zwanzig
unmusikalische Idioten mehr unter die Fuchtel nehmen. Ich will ein übriges tun
und mich verpflichten, nie eine Frage über dein Treiben zu stellen, nicht, wo du
herkommst, noch, wo du hingehst; aber hör mich an, Dorotea,« hier schwoll seine
Stimme, und sein Gesicht sah furchteinflössend aus, »vergreif dich an meinem
Namen nicht! Er ist mein einziges Gut. Mit ihm bin ich bei der Menschheit in
höchster Schuld. Er gibt mir nicht bloß das, was man bürgerliche Ehre heißt, er
gibt mir die Ehre, mit der ich vor meinem Geschaffenen bestehe. Womit du dich an
ihm vergreifst, das ist die Lüge. Durch die Lüge besudelst und erniedrigst du
ihn. Nicht so sehr, wie du dir vielleicht einbildest, zittere ich davor, als
Hahnrei verschrien zu werden. Zwar, die Vorstellung macht mein Blut heiß; ich
bin Mann genug, um Mordgelüste zu spüren, wenn ich mein Weib in den Armen eines
andern denke. Aber der unterste Schlund der Verdammnis
