 das
»tropisch« weckt vielleicht eine falsche Stimmung, einen kitschigen und ganz
lebensfalschen Dunst. Man muss den irreführenden und laxen Impressionismus
tunlichst vermeiden. Tropen gibt es nicht; das ist ein Wortspiel, wir aber
entdecken von Tag zu Tag die Wirklichkeit und den ehrlichen Stil. »Tropen« ist
ein Appell an das Gedächtnis meiner Eingeweide, aus den Zeiten, da ich noch aus
nichts anderem denn jenen bestand; die biographische Erinnerung an die
Faulenzerperiode, als auf Nowaja Semlja noch meine Krokodile im warmen Flussbad
plätscherten. Alles dies ist jetzt internisiert, die ganze Tropenlandschaft
fahrbar gemacht auf zwei Hinterfüssen, und nur innerlich ist die Sonne poetisch,
da gibt es glutige Seufzer und wuchernde Pracht, mannshohes Dickicht, ein
Jägerleben, Lauerposten, Überfälle und Wildhatzen. Und dort haben wir auch die
ganze gärende Poesie; die Tatsachen draußen aber stehen für sich da. Dieses Land
hier liegt unter dem Äquator, ist ein wenig heiß, spröde und langweilig und wird
erst vernünftig sein, wenn eine Eisenbahnschiene quer durch den Djungle gelegt
ist. Tropen, Tropen, das ist ein verdammtes Wort, ein Salonvokabel, um für die
paar Orchideen Platz zu machen, die an diesem Platze herumwelken. Auf die
Wahrheit angewandt, ist es eine Ausrede vor der Arbeit, die in diesem
Sonnenstrich wartet. Aber ich kenne meine Miteuropäer. Sie möchten nichts daraus
machen als eine Mondscheinpartie am Urwaldfluss, moskitolos, oder eine
Liebesgeschichte frei nach Pierre Loti, wobei der Kreuzfahrer einen exotischen
Bund einzugehen hat. Ich bin fanatisch dagegen. Sind wir Journalisten? Im
Gegenteil. Das Leben ist schon nicht so sauber und es gehört ein gut Stück
Gehirnmasse dazu, um auf das Einfache draufzukommen. Nein, meine poetischen
Kontrakte mit der Welt erachte ich als gelöst. Das Dichten ist nicht mein Beruf.
Ich fühle mich aller Pflichten als Kalfakter los und ledig. Ich eröffne mein
Etablissement in Berlin unter einem würdigen, ernsten Titel, der die Prinzipien
meines Liebeskults schlagend zusammenfasst. Sagen wir »Emanzipation des
Fleisches« oder so ähnlich. Übrigens, wenn mir kein geeigneter Titel einfällt,
kann ich das Unternehmen auch fallen lassen. Ich bin mein eigener Herr, bin
moralisch niemandem verpflichtet, mich zu blamieren. Einmal werde ich das ernste
Wort mit dem Gesindel reden. Und dann will ich dem Menschen vom Menschen
sprechen, ein kleines Liedchen in der Umgangssprache singen, einen Tanz vom
Leben lehren, in den ein ganzer Menschenkörper mit allen seinen herrlichen
Funktionen hineingetrommelt und gepfiffen ist, wovon aber Grasaffen nichts
verstehen. So und so habe ich ihn kennen gelernt, den Menschen, wohlverstanden,
dort unten, wo alles so hell und wirklich ist, wo Mensch sein heißt, ein
Gliederspiel sein, und wo das Leben restlos aufgeht in
