 er geht
beispielsweise eines Tages mit einem Freunde auf die Jagd, einem Menschen, der
ihm gleichgültig ist, wenn er auch gewisse unausgesprochene Antipatien gegen
ihn hat. Und da geschieht es ihm, dass er den Mann, als dieser zufällig vor
seinen Büchsenlauf gerät, gerade für jene Gleichgültigkeit und jene gewissen
Antipatien, auf die er sonst keinen Wert gelegt hat - -«
    »Aber Slim, pfui Teufel! Ihr neuer Mensch ist doch ein Muster von
Selbstdisziplin und ein anständiger Kerl, wie ich ihn kenne, er ist doch
hoffentlich - - -«
    »Kein Meuchelmörder? No, eben nicht. Er tut ja nichts und er käme ganz
unangefochten über dieses Phantasiestückchen hinweg. Aber er hat eine andere
Eigenheit. Er denkt laut.«
    »Er denkt laut?«
    »Ja, er denkt laut. Er denkt suggestiv. - Kennen Sie das übrigens?«
    »Nein!« sagte ich stark mit meiner ganzen normalen Stimme und schaute Slim
dabei in die Augen. Das heißt, ich heftete dabei die meinen auf sein Gesicht. Er
aber sah nicht mich an, sondern blickte ins Feuer, wie - hm, als ob er nicht ins
Feuer blickte. Er spiegelte die Vorgänge in einer intensiv empfindlichen
Unschärfe seines Blickes. Er sah mit Blicklosigkeit. »Soso«, fuhr er fort und
verzog ein wenig gemacht den Mund. »Nun stellen Sie sich aber folgendes
Experiment vor - mein neuer Mensch hat immer Experimente, bei denen es ihm ganz
egal ist, inwieweit er sich selbst exportiert - stellen Sie sich vor, der
andere, der vor dem Flintenlauf, erweist sich für diese Gedankensprache
empfänglich. Er hört die Drohung so deutlich, dass er in panischem Schrecken
davonläuft - er glaubt nichts anderes, als dass das Ende gekommen ist und springt
und wirft alles von sich, um leichter weiter zu kommen - es wäre aber nie etwas
geschehen. Das kennen Sie also nicht?«
    Und da sagte ich endlich keck: »O ja, gewiss, das kenne ich. Ist es nicht zum
Beispiel derselbe Fall: statt in die Augen zu sehen, starrt einer in - einen
Spiegel, und der Blick, der durch diesen Spiegel geht, wirkt in dieser Weise
außerordentlich gewaltsam, während der gewöhnliche Blick aus Fleisch und Blut
gewiss viel weniger, ja vielleicht gar nicht gewirkt hätte? Ist es nicht das?«
    Einen Augenblick herrschte Stille. Dann sagte Slim sehr hoch: »Ah? - Und was
sagen Sie dazu?«
    »Oh, ich enthalte mich jedes moralischen Urteils, wenn Sie das meinen. Ich
finde es bloß sehr raffiniert. Es ist ein meisterhafter Umweg - eine Analogie
gibt es vielleicht nur beim Geschlechte und in der Kunst. Hier ist
