
feine Beziehungen zwischen ihnen. Da sind Dinge, die auf der Goldwage gemessen
werden müssen. Superbe Kleinigkeiten - aber sie machen den ganzen Mechanismus
aus. Kennen Sie das nicht?« Doch, das musste ich zugeben. »Also, sehen Sie, das
ist nun auch eine meiner Sorgen. Diese Technik muss gefunden werden. Wie kommt
das heraus? Wie stelle ich das hin? Man muss das gestalten, es soll nicht mir
nichts dir nichts vom Stapel gelassen werden wie fertige Wissenschaft. Es muss
Bau haben. Es muss sich kristallisieren - verstehen Sie es?«
    »Ja!« sagte ich.
    »Ich spreche natürlich von meinem Buche!« sagte er. »Ja, ja!« sagte ich
wieder, vielleicht ein wenig unentschieden. Er sah mich von der Seite her an. Er
dachte nun entweder scharf nach und die Augenverdrehung kam ihm dabei zu Hilfe -
oder sie war ein Zeichen seines Misstrauens. Interessierte mich das vielleicht
alles nicht? War ich ein Leimsieder und wollte lieber schlafen gehen ... »Das
muss sehr schwer sein«, sagte ich. »Sehr schwer; soviel ich davon verstehe - kann
man nicht einfach die Resultate hinschreiben? Einfach von der Leber weg
sprechen, einen Berichtzettel abgeben?«
    »Nein, das geht nicht. Man muss erfinderisch Rechenschaft ablegen,
heimtückisch motivieren, die seelischen Vorgänge im Fluss erstarren lassen und
dennoch nie das Gefrorene daran zur Empfindung bringen. Man muss die logischen
Verbindungsglieder vernachlässigen, wie sie die Wirklichkeit vernachlässigt, und
die Verlaufskette erst nachträglich lückenlos schließen. Ein Kunstwerk soll es
nun nicht eben sein, bloße Kunstwerke sind zwar sehr erfreulich, aber doch auch
recht unwesentlich für die Menschheit. Aber eine Geschichte soll doch wirksam
und überzeugend sein und nur das Gute hat diese Eigenschaften. Man muss also
gestalten. Und ich muss also den neuen Menschen höchsteigens auftreten lassen, es
muss sich so beiläufig herausstellen, dass er es ist, den ich meine. Er soll nicht
nur rezensiert werden, er soll auch singen und handeln. Ich muss die
Verbindungslinien zu den anderen ziehen, auch die ganz zarten. Der intimste
Menschenverkehr muss sich vor aller Augen ergeben, zugleich aber soll er doch
auch das bleiben, was er ist, ein Apparat von Ahnungen. Meinen Sie nicht auch?«
    »Jawohl, Slim. Ich verstehe Ihren Ehrgeiz vollkommen. Man muss sagen, was man
nicht sagen darf, ohne es zu verderben. Der Mensch ist so seltsam.«
    »Ei ja; es handelt sich, wie gesagt, darum: mit meinem neuen Menschen steht
es ganz eigentümlich. Er ist sonst ein gesundes Kind. Aber er hat eigentümliche
Dispositionen. Gerade er - was sagen Sie zu diesem Einfall:
