
Hand des Todesengels.
    Aber ich will mich nicht auflehnen. Mein Hass ist von der Art, die übers Grab
hinausgeht, und noch habe ich ja mein eigenes Blut, das ich vergießen kann, wie
ich will, damit es dem seinigen nachgehe im Reich der Schatten auf Schritt und
Tritt. - - -
    Jeden Tag, seit sie Wassertrum verscharrt haben, sitze ich draußen bei ihm
auf dem Friedhof und horche in meine Brust hinein, was ich tun soll.
    Ich glaube, ich weiß es bereits, aber ich will noch warten, bis das innere
Wort, das zu mir spricht, klar wird wie eine Quelle. - Wir Menschen sind unrein,
und oft bedarf es langen Fastens und Wachens, bis wir das Flüstern unserer Seele
verstehen. - - -
    In der verflossenen Woche wurde mir offiziell vom Gericht mitgeteilt, dass
mich Wassertrum zum Universalerben eingesetzt hat.
    Dass ich für mich keinen Kreuzer davon anrühre, brauche ich Ihnen wohl nicht
zu versichern, Herr Pernat. - Ich werde mich hüten, ihm - für drüben eine
Handhabe zu geben.
    Die Häuser, die er besessen hat, lasse ich versteigern, die Gegenstände, die
er berührt hat, werden verbrannt, und was an Geld und Geldeswert sich dann
ergibt, fällt nach meinem Tode zu einem Drittel Ihnen zu. -
    Ich sehe im Geiste, wie Sie aufspringen und protestieren, aber ich kann Sie
beruhigen. Was Sie bekommen, ist Ihr rechtmässiges Eigentum mit Zinsen und
Zinseszinsen. Schon lange wusste ich, dass Wassertrum vor Jahren Ihren Vater und
seine Familie um alles gebracht hat, - erst jetzt bin ich in der Lage, es
aktenmässig nachweisen zu können.
    Ein zweites Drittel wird unter die zwölf Mitglieder des »Bataillons«
verteilt, die den Dr. Hulbert noch persönlich gekannt haben. Ich will, dass jeder
von ihnen reich wird und Zutritt bekommt zur Prager - »guten Gesellschaft«.
    Das letzte Drittel gehört zu gleichen Teilen den nächsten sieben Raubmördern
des Landes, die mangels zureichender Beweise freigesprochen werden müssen.
    Ich bin das dem öffentlichen Ärgernis schuldig.
    So. Das wäre wohl alles.
    Und jetzt, mein lieber, lieber Freund, leben Sie wohl und gedenken Sie
zuweilen
                        Ihres
                                                      aufrichtigen und dankbaren
                        Innocenz Charousek.«
    Tief erschüttert legte ich den Brief aus der Hand. Ich konnte mich nicht
freuen über die Nachricht von meiner bevorstehenden Entaftung.
    Charousek! Armer Mensch! Wie ein Bruder kümmerte er sich um mein Schicksal.
Bloß, weil ich ihm einst 100 fl. geschenkt hatte. Wenn ich ihm nur einmal noch
die Hand drücken könnte!
    Ich fühlte: ja, er hatte recht; der Tag würde nie kommen.
    Ich sah ihn vor mir: seine flackernden Augen, die schwindsüchtigen
Schultern,
