Es ist immer bloß vom Mann die Rede,« debattierte sie eifrig.
    »Ich finde im Gegenteil, es ist heutzutage immer bloß von der Frau die
Rede.«
    »So? Sie sind doch schlankweg der Ansicht, dass die Frau sich in den Beruf
des Mannes zu fügen hat.«
    »Unter allen Umständen,« sprach Raspe.
    »Ach nein,« meinte Tulla naiv, »doch wohl nur, wenn die Verhältnisse so sind
... Ich meine - viele müssen doch verdienen und einen Beruf haben - aber wer es
sich leisten kann ohne - wenn ich mal heirate, müsste mein Mann den Abschied
nehmen - mich so liebhaben, dass er mir allein leben wollte -«
    »Ihr Papa hat doch auch gearbeitet,« sagte er.
    »Gott - ja - er wollte doch auch Exzellenz werden - das erwartete Mama
bestimmt ...«
    Sie brach jäh ab. Es war gerade, als lege ihr jemand eine Hand auf den Mund.
Sie fühlte, sie war im Begriff gewesen, etwas Taktloses zu sagen, beinahe
offenherzig zu wiederholen, dass Mama von Jahr zu Jahr ärgerlicher über den
fehlenden Adel gewesen war und auf die Exzellenz als auf einen Ausgleich
gewartet hatte -
    Wenn ihr das entschlüpft wäre! Großer Gott! Dann hätte Raspe noch gar
gedacht, sie mache sich um seines Uradels willen so viel aus ihm. Und sie, sie
hätte ihn auch geliebt, wenn er nur Schulz oder Müller geheißen hätte - es war
ihr ganz egal - oder doch beinahe ... Wegen der Mama, den Brüdern, der Welt und
vor allen Dingen wegen Fiffi war es natürlich sehr schön, auf einen alten Namen
pochen zu können. Aber sonst? ... Ja, ganz egal. Rasend liebte sie ihn - über
alle Massen.
    Und deshalb musste er auch später durchaus den Abschied nehmen.... Tulla war
sehr mit sich zufrieden, dass sie ihm vorweg angedeutet habe, er brauche nicht
mehr abhängig zu sein. Das musste ihn doch freuen - war doch eine herrliche
Aussicht für ihn! Welcher Mensch hätte sich das nicht gewünscht! Nur noch Freude
am Leben! Gar keine Plage mehr! Wenn sie nur erst verheiratet wären.
    Ach, es konnte dann zu schön werden - Reisen - Sport - vielleicht auch mal
in Frankreich auf dem romantischen Schloss des künftigen Gatten der Mama - wo sie
schon alles aufs grossartigste herrichten würde. Und kein Dienst mit frühem
Aufstehen mehr, keine scharfen Vorgesetzten, keine bevormundende Kommandeuse -
Viktor, der es doch wissen musste, sagte auch immer, es sei Schinderei.. Und
Viktor nähme auch am liebsten den Abschied - aber er konnte sich ja nicht ein
bisschen einschränken und musste deshalb erst
