 wieder auseinander? Nein - ganz einfach - das war unmöglich. Das hätte
die Firma in einen zweifelhaften Ruf gebracht - das hieße, alles an junger Ehre,
erwachendem Ansehen, aufspriessender Ernte preisgeben, was man in vier Jahren
sich blutsauer erkämpft ...
    Und viel mehr noch: nicht nur um des Ansehens willen, des moralischen
Kredits halber konnte er sich nicht von diesem Teilhaber trennen.
    Da war ja dies Geld! Dieses so bitter nötige Kapital - um dessentwillen er
sich ja doch überhaupt mit Dorne zusammengetan hatte.
    Und wenn sich das Unternehmen noch auf der gleichen Basis befunden hätte!
Noch begrenzter und kleiner, wie vor Dornes Eintritt - wie vor dem großen
Brande!
    Vor Allerts Erinnerung stieg die hohe Flamme wieder auf, die so prachtvoll
und furchtbar in die Winternacht emporloderte ...
    Nach dieser großartigen Vernichtung hatte man begonnen, das Dichterwort wahr
zu machen und neues Leben aus den Ruinen blühen zu lassen.
    Die Neubauten - schon waren sie im Rohen und Äußeren vollendet, und drinnen
begannen die Monteure und Installateure die betriebstechnischen Einrichtungen -
diese Neubauten waren für eine doppelt so große Fabrikation, für einen stark
erhöhten Umsatz angelegt worden ...
    Und mit dem Gelde dieses Mannes ...
    Ich kann nicht von ihm los! dachte er.
    Aber man kann sich doch heute nicht mit jemand schießen, der einen Lügner
und Schuft genannt hat, und morgen mit diesem selben, friedlich und von den
gleichen Interessen beseelt, geschäftliche Dinge beraten?
    Allert fühlte einen furchtbaren Widerwillen gegen den Mann und sein still
vornehmes Gesicht mit den hellen, stechenden Augen in sich emporkommen. Dieser
Mann - begabt, tüchtig, fleißig - dieser Mann: feig, sklavisch, blind, unwürdig
verliebt -
    Und er dachte bitter: ein Mann, der ernste Pflichten hat, der mit seinem
Kapital, seiner Arbeitskraft, seinem Unternehmungsgeist sich in das große
volkswirtschaftliche Getriebe hineinbegab, der darf sich nicht durch ein Weib
aus der Richtung werfen lassen. - Nun, das dürfte natürlich kein Mann. Aber für
einen, der kämpft, ist das alles schwerer - man steht nicht allein, man steht
nicht sicher - die eigene Unruhe gefährdet andere - der eigene Sturz reißt
andere mit ...
    Was sollte nun werden?
    Konnte er sich denn überhaupt mit einem Mann schlagen, mit dem er dann
gleichen Tags zusammen weiterarbeiten musste?
    Unmöglich - ganz unmöglich -
    Aber wie sollte sich dies lösen? Hiess es, sich einfach gleich zufrieden
geben, wenn der Beleidiger kam und um Verzeihung bat?
    Weil Geldinteressen zur bereitwilligen Nachsicht zwingen?
    Ging es etwa in dieser Welt so zu - in dieser, für seinen Stand neuen Welt?
    »Hab' ich eine andere Ehre bekommen? Eine von lockeren Linien - die sich
