, wo sie wohnen, werden die Vettern sie braten.«
    Tschun stockte der Atem. Aber er zwang sich, ganz gleichgültig zu fragen:
»Und wann wollen die Vettern denn die bösen Fremden braten?«
    »Nach der Beerdigung, haben sie gesagt,« antwortete das Kind. »Nachts, wenn
die fremden Teufel alle schlafen, wollen sie hinziehen. Mit vielen Kannen voll
Petroleum werden sie das Holz begiessen.«
    »Und dann«, rief der andere Kleine, »wird es wieder so ein schönes großes
Feuer geben, wie der Großvater sie mit dem Prinzen Tuan anzündete!«
    Und bei den Worten glomm es in den Schlitzäuglein der beiden Kinder, als ob
aus ihnen selbst böse Flämmchen hervorzüngelten.
    Tschun aber atmete auf. Nach der Beerdigung erst, hatten sie gesagt, dann
hatte er also noch Zeit, zu überlegen. Denn die würde doch erst in ein paar
Tagen sein. - Er eilte nun davon, sinnend, was zu tun. Diesen Anschlag musste er
verhindern, das stand fest. Aber wie es am besten anzufangen, wusste er nicht.
Seinem Herrn alles, was er ermittelt hatte, erzählen, das wäre das einfachste
gewesen. Vielleicht rührte sogar ihn der Gedanke an diesen Sohn, der die Schuld
des Vaters auf sich genommen hatte und unschuldig in den Tod gegangen war?
Vielleicht begnügte er sich, dann die Wachen zu verdoppeln, und ermächtigte
Tschun, das den Verwandten des Händlers zu sagen, und sie vor unüberlegten
leidenschaftlichen Taten zu warnen? - Das wäre schön, das wäre großmütig. - Ja,
freilich wäre es das. - Aber - hatte denn Tschun einen Fremden je großmütig
gesehen? - Und vor allem: würde ihm sein Herr die ganze Geschichte überhaupt
glauben? - Die Fremden glaubten ja so oft das Erlogenste, Unmöglichste, worüber
jedes chinesische Kind gelacht hätte - aber daneben wiederum wollten sie auch
oftmals recht schlau scheinen und bezweifelten dann gerade solche Dinge, an
denen alles klar und jedes Wort wahr gewesen! - Unberechenbar waren die
Barbaren, und niemand konnte im voraus wissen, wie sie eine Sache auffassen
würden. - Und Tschun sah ein, dass er diesen einfachen, aufrichtigen Weg nicht
riskieren durfte. Denn es konnte leicht sein, dass er dadurch die ganze Familie
des Händlers in noch schwereres Unglück brachte, und Tschun wollte doch nicht
teil daran haben, dass etwa neue grausame Strafe über diese Menschen verhängt
würde. Sie waren ja unzurechnungsfähig durch Schmerz und Wut. Aber wie sie auch
immer sein mochten, Tschun wollte überhaupt nie, nie Landsleute in die Hand der
Fremden liefern! - Tschun fühlte, wie sein Kopf ganz müde wurde von dem vielen
Denken. Aber er hatte doch niemand, der ihm half
