 uns zur Redoute gegangen, und heute ist draußen auf dem Lande ein Fest, man
fährt mit Schlitten hinaus.« Sie seufzt etwas - Orlonsky erscheint - schon
wieder im Henkerkostüm - oder hat er es inzwischen gar nicht abgelegt - er fragt
nach Willy:
    »In seinem Zimmer - er liest Maria Märchen vor.«
    Wir gehen hinüber, Konstantin, der Sonnenknabe, ist auch da.
    Maria liegt matt auf dem Diwan, sie sind alle schon im Kostüm für heute
abend, alle etwas bleich und übernächtig, und Willy liest ihnen ein Gedicht aus
des Knaben Wunderhorn vor:
Maria, wo bist du zur Stunde gewesen?
Maria, mein einziges Kind? -
Ich bin bei meiner Großmutter gewesen,
Ach weh, Frau Mutter, wie weh!
Ich kannte das Gedicht - die Großmutter hat ihr Schlangen zu essen gegeben, und
sie stirbt daran.
    »Pfui, warum lesen Sie ihr das vor?« sagte Konstantin vorwurfsvoll.
    »Weil es so auf sie passt?«
    »Auf mich?« fragte Maria ganz abwesend, und alle lachen. Sie scheint gar
nicht zu wissen, wovon die Rede ist.
    »Und das schwarzbraune Hündlein, das auch von den Schlangen frisst und in
tausend Stücke zerspringt - das werden Sie wohl sein, Konstantin«, meinte Willy
etwas unliebenswürdig. Konstantin lächelte nur, er ist wirklich ein hübscher
Kerl, und ich begreife, dass die Mädchen hinter ihm her sind. Dann Orlonsky:
    »Katerunterhaltung ist das...«, er versorgt uns mit schwarzem Kaffee, und
sein eisernes Schuppenhemd klirrt, wenn er sich bewegt, »bleiben Sie bei uns,
Maria, wir geben Ihnen nicht Schlangen zu essen, bis Sie kaputt sind.«
    »Nein, bei Euch ist es zu friedlich - ich muss wohl immer etwas haben, was
mich zugrunde richtet. Und ich kann ja doch nicht los von ihm...«
    »Aber er denkt nicht daran, dich zugrunde zu richten«, sagt Konstantin.
    »Nein, er nicht - aber ich muss immer gerade das tun, was er nicht leiden
kann, er hasst den Karneval und sagt, es sei ein unechter Rausch. Aber für mich
ist es ein wirklicher - ich bin nur glücklich, wenn jeden Abend ein Fest ist.
Und jetzt will er aufs Land gehen, weil er das nicht mehr mitansehen kann, es
wäre lebensfeindlich, sich so zuzurichten wie ich! Also was soll ich tun? - was
meinen Sie dazu, Monsieur Dame?«
    »Was soll ich meinen? - ich tue immer nur das, wozu ich verurteilt werde.«
    »Sie Glücklicher - weißt du, Susanna«, sie denkt nach, »ich will doch lieber
