 Männer sich zunutze gemacht.
    Ja, er lässt es an Verständnis nicht fehlen und ist überzeugt, man habe
jeden, dem man sich hingegeben, glühend und tief geliebt, aber er war es
natürlich in den seltensten Fällen wert. Der Retter sagt gerne: armes Kind und
streicht einem dabei die Haare aus der Stirn - eine unausstehliche Angewohnheit,
man darf nie vergessen, ein Taschenkämmchen mitzunehmen.
    Manchmal bietet er auch pekuniäre Hilfe an, aber mit dem Gefühl, dass für sie
doch eigentlich etwas Degradierendes darin liegt und es ihr sehr peinlich sein
müsse (ach, Doktor, es ist ihr durchaus nicht peinlich, sie tut nur manchmal so
- aus guter Erziehung).
    Die Bekanntschaft mit dem Retter ist natürlich immer ein Missgriff und
entspringt aus momentaner Sentimentalität oder einer unangenehmen Situation, die
durch ihn behoben wird - oder, wenn man sich gerade mit jemand anders gezankt
hat. Man fällt ihm bei irgendeiner Gelegenheit in die Arme.
    Der Retter will kein Philister sein - Gott bewahre. Er verwirft auch die
illegitimen Liebesfreuden an sich durchaus nicht, fasst sie nur viel zu ernst auf
und sucht ihnen eine etische Weihe zu verleihen. Er betrachtet jede
Schäferstunde als Anlass zu ernsten Gesprächen und zu heillosem Ausfragen -
besonders in bezug auf Zahlen und Daten (und man rechnet doch so ungerne und
sagt nie die Wahrheit - der Retter würde sie auch nicht vertragen).
    Trotz der schlagendsten Gegenbeweise hält er an dem Dogma von der monogamen
Veranlagung der Frau fest.
    Er ist unbequem und nimmt es übel, wenn man nicht viel Zeit für ihn übrig
hat. So schlägt er gerne mehrtägige Ausflüge vor, damit man einmal wirklich
etwas voneinander hat und alles Trübe und Schwere von sich abschütteln kann - in
Klammern: weil man draußen in Gottes freier Natur sicherer ist, dass die geliebte
Frau nicht so oft alten Bekannten begegnet, oder dass es plötzlich klingelt und
alle möglichen Leute zum Tee kommen, von denen man nicht recht weiß, warum und
wieso?
    Ach Gott, und ich finde amouröse Ausflüge überhaupt eine unglückliche
Erfindung - ich kann sie nicht ausstehen, vor allem nicht mit Rettern oder mit
wertvollen Menschen. Höchstens mit Paul - oder vielleicht mit Ihnen - pardon,
pardon, dass ich Sie schon wieder mit Paul zusammenstelle und so oft auf seine
Vorzüge zurückkomme. Es geschieht wirklich nicht aus Bosheit, aber ich lebe
immer noch mit einem Fuß in der jüngsten Vergangenheit, in der schönen Zeit
unseres Dreiecks.
    Mit dem Retter dauert es übrigens meist nicht lange. Er wünscht selbstredend
eine seriöse Dauersache, und man lehnt tragisch ab: zu spät - man kennt sich
selbst zu gut - leider - es bringt niemandem Glück, mich zu lieben - besser, man
geht seinen dornenvollen Pfad alleine weiter,
