 dass es
Liebe ist, im Gegenteil, das wäre ihr manchmal nur peinlich, und sie ist recht
froh, dass es sich anders verhält. Man braucht doch auch Erholung vom Ernst des
Lebens.
    Und Liebe? Unter Liebe verstehe ich - nun, eine seriöse Dauersache. Aber Sie
dürfen mir diesen Begriff nicht zu optimistisch auffassen. Dauersache ist alles,
was - sagen wir, was monatelang dauert - seriöse Dauersache, wenn es viele
Monate sind; über ein Jahr - dann wird es schon Verhängnis mit einem Stich ins
Ewige. Natürlich gibt es auch Dauersachen mit Unterbrechung und viele andere
Variationen.
    Damit war meine gestrige Gesellschaft durchaus nicht einverstanden, und man
versuchte mich mit vielen Fragen in die Enge zu treiben. Aber dann mache ich
mir's bequem und verstumme. Ich habe überhaupt nicht viel Sinn für teoretische
Fragen, außer, wenn es mich momentan reizt, zu widersprechen. Das ganze Gerede
ist so überflüssig, es sollte wenigstens Konversation bleiben - wie mit Ihnen.
Dann hat es seinen Reiz.
    Und wie angenehm, dass man als Frau keine Logik zu haben braucht! Denken Sie,
wenn ich all meine mühsam erworbene Lebensweisheit in Schachteln ordnen sollte -
ach nein, ich werfe lieber alles durcheinander in eine Schublade und hole
gelegentlich heraus, was mir - oder anderen Spaß macht.
    Im Anschluss an das Liebesproblem kamen natürlich auch die wertvollen
Menschen aufs Tapet - also Wasser auf Ihre Mühle - die wertvolle Frau, die so
oft und unbegreiflicherweise ihr Gefühl an unwürdige Objekte verschwendet, und
der wertvolle Mann, der ungeliebt beiseite steht, ja und so weiter, die ganze
Litanei.
    Teuerster Doktor, gerade damit haben Sie mir ja auch so oft, so oft
zugesetzt. Und ich habe mich so redlich bemüht, Ihnen plausibel zu machen, dass
innerer Wert gar nichts mit erotischer Attraktion zu tun hat. Wenn mir jemand
gefällt, frage ich doch den Teufel danach, wie es mit seinem inneren Wert
bestellt ist. Kommt beides zufällig zusammen - tant mieux. Dann ist es natürlich
auch etwas anderes als die bloße Aventiure, die keine Fortsetzungen verträgt,
weil der Partner einem als Mensch ganz gleichgültig ist und man nichts mehr mit
ihm anzufangen weiß.
    Geht es um Ernstliches, so muss allerdings irgend etwas dasein, was für mich
persönlich Wert hat, mir erfreulich, wohltuend, unentbehrlich erscheint oder mir
imponiert, kurz, was ich haben möchte. An denen, die man liebt, will man wohl
irgend etwas schätzen, manchmal schätzt man sie auch in Bausch und Bogen, oder
bildet sich's wenigstens eine Zeitlang ein.
    Ja, das ist dann Liebe, solange die Attraktion dauert; und wenn sie aufhört,
so ist es unangenehm, weil man sich wirklich gerne
