 etwas daraus machen. Bitte
auf die Bühne...
    Lieber Freund und Doktor - es ist schlecht, mit mir zu diskutieren, denn es
fällt immer wieder so aus: das ist schlimm - sehr schlimm - ja - nein, es ist
eigentlich doch nicht so schlimm.
    So muss ich denn schließlich auch feststellen, dass der Gedanke an die
Vergänglichkeit alles Irdischen mich im großen und ganzen nicht sehr bedrückt,
höchstens wenn ich gerade meinen verfluchten Tag habe.
    Ich denke vielmehr, wenn es erst einmal soweit ist, wird man schon damit
fertig werden. Wird man alt, so treibt man sich noch eine Weile als Zuschauer
auf der Welt herum, braucht sich wenigstens nicht mehr zu Taten aufzuraffen. Und
die Erinnerungen, die im Alter eine so bedeutende Rolle spielen sollen? Nun, bei
allen guten Dingen wird man sich freuen, dass sie da waren, und bei den
schlechten, dass sie vorbei sind. Die beste Vorsorge fürs Alter ist jedenfalls,
dass man sich jetzt nichts entgehen lässt, was Freude macht, so intensiv wie
möglich lebt. Dann wird man dermaleinst die nötige Müdigkeit haben und kein
Bedauern, dass die Zeit um ist. Für all die Leute mit verfehltem Leben,
versäumter Jugend, überhaupt mit vielen Unterlassungssünden - für die muss es
schrecklich sein, alt zu werden.
    Nein, wenn ich mich überhaupt darauf einlasse, mein eigenes Alter
mitzuerleben (was mir noch sehr fraglich ist) - in dieser Beziehung habe ich mir
wenig vorzuwerfen und werde mit mildem Lächeln sagen können: es ist genug, Herr!
    Und dann will ich wenigstens eine dankbare Rolle spielen, eine sehr
angenehme alte Dame sein mit möglichst wenig Falten und möglichst weißem Haar -
und einen reizenden Salon haben mit einem Kaminfeuer. Um den Kamin versammeln
sich abends die alten Freunde, müde galante alte Herren mit Krückstöcken, und
man unterhält sich von einstigen Faiblessen.
    Denken Sie nur, was wir uns dann alles erzählen werden - alles, was jetzt
noch verschwiegen bleibt. In sentimentalen Stunden reden wir vielleicht auch
wieder von Yvonne und dem fremden Mann - und, wenn Sie boshaft aufgelegt sind,
von Paul. Ja, dann wird das Teegespräch erst seine höchste Blüte erreichen.
    Danken wir Gott, dass es noch nicht soweit ist...
 
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O Freund, o Doktor - das war eine schicksalsvolle Woche, und ich flüchte mich
wie einst in der Regenstadt zu Ihnen, um mein müdes Haupt - nein, das geht nicht
- um Ihnen mein Herz - nein, das geht auch nicht - also, einfach um Ihnen zu
schreiben.
    Mir ist zumut wie nach einer Kinematographenvorstellung, an der ich stark
beteiligt war - also hören Sie: Sonntag: Eilbrief aus Sizilien und drei
Telegramme -
