 so einen dunklen, verschwommenen Begriff
von Eltern und Senioren, die uns übelwollen. Wo noch welche vorhanden sind,
bleiben sie ganz im Hintergrund, werden gefürchtet oder sorgfältig vor uns
behütet. Man kennt immer nur Altersgenossen oder Jüngere. Kommt man dann einmal,
so wie heute, zufällig mit jemand viel, viel älterem in Berührung, so wirkt er
beinah wie ein seltenes, etwas unwahrscheinliches Naturspiel auf uns.
    Kann man wirklich so alt sein, so ganz hors concours, und immer noch Freude
am Leben haben und Interesse für alles?
    Barmherzigkeit: Und einmal werden wir uns doch wohl auch an den Gedanken
gewöhnen müssen, selbst alt zu werden - wie wird das gehen, wie soll man es
machen? Krankheit, Alter und Tod erscheinen mir immer als die drei
Unmöglichkeiten des Lebens, alles andere geht irgendwie von selbst, aber mit
Unmöglichkeiten muss man sich zu arrangieren versuchen.
    Kranksein - das lässt sich vielleicht noch bedingungsweise ausnehmen. Unter
angenehmen Verhältnissen kann es möglich, manchmal sogar ganz lustig sein - gute
Freunde, viele Blumen, sympatische Ärzte und das große Gegenpläsier, wieder
gesund zu werden.
    Aber die beiden anderen? Der Tod - warum hat man wohl so viel Angst davor?
Ich habe sie auch, aber dann denke ich wieder, es ist vielleicht ganz
überflüssig, wir wissen doch noch gar nicht, ob es unangenehm sein wird. Es mag
verdreht sein, aber ich ertappe mich sogar bei dem Gedanken: das Leben ist so
schön, obwohl so viel dagegen eingewandt wird - am Ende ist das Sterben auch gar
nicht so übel. Schlimmstenfalls ist es eine Exekution, die nicht lange dauert.
    Und das Alter - alt werden? Gott, wenn man durchaus nicht mag, es kann einen
ja niemand zwingen, länger zu leben, als man will.
    Aber da liegt ein böses Dilemma, es ist so viel hübscher, jung zu sterben,
aber um wirklich großen Charme zu haben, müsste es schon sehr früh sein.
Andererseits aber möchte man möglichst viel leben und unverhältnismässig lange
jung bleiben.
    Schenkt uns nun der gütige Himmel diese ausdauernde Jugend, so wird es sehr
schwer sein, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Sehen Sie - wenn ich sterbe,
möchte ich gerne noch so aussehen wie jetzt, aber ich habe doch vorläufig gar
keine Lust, mich schon in die Unterwelt zu begeben. Ach, das ist wirklich schon
wieder ein Problem und a very disagreeable one, wie Sir John sagt. Wir saßen
kürzlich alle drei bei ihm auf dem Sofa, der vorwitzige Bobby zupfte seinem
Mentor drei graue Haare aus und sagte: »Meister, wir werden alt.« Mehr als die
drei fanden wir nicht, und John lachte. Aber mir wurde doch
