 kommt. Ich bin
nie glücklicher als in dem Moment, wo ich müßig und bewundernd meine Werke
untergehen sehe. Dann kann doch wieder etwas Neues kommen.«
    »Und wenn nun etwas viel Schlechteres kommt?«
    »Ich bin abergläubisch, lieber Bobby - aus Erfahrung. Es gibt Glückserien
und Pechserien. Ich zähle sie, und es hat immer gestimmt, mit kleinen
Schwankungen. Die Pechserie geht höchstens bis neun, die Glückserie ist kürzer,
bis vier oder fünf - Pedro ist gerade auf der Grenze...«
    »Nein, bitte, hören Sie auf - eine Frau von Ihrer Intelligenz und solche
mittelalterliche...«
    »Intelligente Frau ist wieder eine Beleidigung - Sie Dichter...«
    »Sir John sagt es auch - und es sei erstaunlich, dass Sie trotzdem immer nur
Dummheiten im Kopf hätten...«
    »Das ist ein tröstlicher Zusatz, Gott segne ihn dafür, Gehen wir jetzt
spazieren, Bobby, die Lektion ist für heute zu Ende.«
    Wir gingen spazieren und erwogen Zukunftsfragen. Bobby will von hier auf
eine griechische Insel gehen und möchte, dass ich mitkäme. Wenn es hier
schiefgeht - ja, wenn... Die griechische Insel ist ein beliebtes Thema. Sir John
war aus, Pedro ist fort, und es war eine wundervolle Mainacht. Wir waren beide
etwas sentimental aufgelegt, gingen immer wieder auf und ab durch die Straßen.
Es war schon beinahe Morgen.
    »Nein, Bobby... Sie sind mein Stiefsohn, das streift die antike Tragödie...«
    Wir kamen an eine Straßenecke, an der Mauer steht mit Kreide ein großes
deutliches: Ja geschrieben - auf deutsch. Das ist sehr merkwürdig, wir bleiben
stehen und wundern uns darüber.
    »Vielleicht gilt es uns...? Aber Sie halten ja nichts vom Aberglauben,
Bobby...??«
    »O doch!«
    Ja, lieber Freund - der arme Bobby ist nun auch abergläubisch geworden...
 
                                       16
Ich denke ja nach, Doktor, ich denke nach, ich habe noch nie so viel nachgedacht
wie jetzt. Alles vereinigt sich, um mich nachdenklich zu stimmen. Ihr Brief und
etliche längere Gespräche mit Sir John - es besteht eher die Gefahr, dass ich vor
lauter Nachdenken tiefsinnig werde, als dass ich irgendeine große Kopflosigkeit
begehe - wie Sie zu fürchten scheinen.
    Lieber Freund, Sie sind ein Engel an Einsicht und Verstand, aber Sir John
hat das Problem meiner Seele doch besser erraten als Sie. Es geht entschieden
eine Wandlung mit mir vor, denn, wie Sie sehen, fange ich jetzt auch schon an,
mich damit zu beschäftigen.
    Es war so heiß in der letzten Zeit,
