 kam Sir John, und wir konnten das lehrreiche Gespräch nicht fortsetzen.
    Und meinen Brief werde ich heute auch nicht mehr fortsetzen, ich erzähle
Ihnen doch nur dummes Zeug.
 
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Mir ist in den letzten Tagen, wenn ich mich mit dem Dichter unterhielt, etwas
aufgefallen, nämlich, dass man doch immer eine ganze Menge verschiedener
Ansichten über ein und dieselbe Sache hat. Sie hängen ganz davon ab, mit wem man
gerade spricht. Man dreht einen Gegenstand um, beguckt ihn von allen Seiten,
stellt ihn auf den Kopf - jedesmal sieht er anders aus. Dann legt man ihn weg: o
genug, gehen wir lieber ins Kafe. Ergo: man hat überhaupt keine Ansichten, und
es ist auch sicher überflüssig.
    Aber glauben Sie deshalb bitte nicht, dass unsere Gespräche sich immer um
Ansichten drehen. Der Dichter ist, wie ich schon ahnend voraussah, sehr
wissbegierig geworden, und wir rätselraten miteinander wie bei einem
Gesellschaftsspiel. Ich erzähle ihm Schwänke aus meinem Leben und gehe um das
allzu Persönliche möglichst herum. Zum Beispiel, die ersehnte Aufklärung über
Sir John wird ihm beharrlich vorenthalten - ob es einmal war - wann es war, und
wie wir jetzt zueinander stehen. Ich fühle, dass ihn dies alles brennend
interessiert, er möchte doch das Leben kennenlernen. Aber ich habe immer das
Prinzip gehabt, dass jeder Mann so wenig wie möglich von dem anderen wissen soll
- für alle Eventualitäten.
    Mit dem Sizilianer liegt es anders, die ganze Sache ist zu offiziell. Ich
habe das eigentlich nicht gern, es ist immer etwas mauvais genre. Aber hier in
Rom, mit dem vulkanischen Pedro, dem Auto und dem Chauffeur war es einfach nicht
zu vermeiden. - Das alles und vieles andere hab' ich dem Dichter mit vieler Mühe
auseinandergesetzt, und er gibt sich ebensoviel Mühe, es zu erfassen. Man sieht
ihm manchmal förmlich an, wie sein unerfahrenes Gehirn arbeitet.
    »Darf ich ganz offen reden?« fragte er neulich, als wir von dem Rasta und
von den Chancen sprachen.
    Ja, er durfte.
    »Aber ich muss etwas sehr Freches sagen...«
    »Ich bitte darum!«
    »Ja - Sie leben doch eigentlich wie... eine...«
    »Ganz falsch, lieber Dichter, ich lebe nur ein Privatleben, und es schaut
viel zu wenig dabei heraus.«
    »Und Ihr Sizilianer?«
    »Ist eine zufällige Verbindung von angenehm und nützlich.«
    »Aber Sie lieben ihn doch nicht wirklich?«
    »Wie man es nehmen will.«
    »Und Sir John? Als ich Sie gestern abend bei ihm traf...«
    »Junger Mann, seinen Sie vorsichtig - das ist noch
