 Grunde nicht wohl in meiner Haut
fühlte. Das halten die Mitmenschen ja gerne für ein Kennzeichen von intensivem
Seelenleben.
    Gott, es muss ja auch nicht immer ein professioneller Dichter sein, aber Sie
können sich schon denken, welche Art Leute ich meine.
    Der Knabe, mit dem ich hier über alten Gräbern wandle, scheint übrigens
nicht zu dieser Sorte zu gehören. Ich interviewte ihn recht gründlich darüber,
und er wurde ganz unglücklich. Er habe nun einmal Talent und das Schreiben mache
ihm Freude, während er sich mit einem bürgerlichen Beruf schwer abfinden würde.
Aber Dichter - ja, es sei eine peinliche Bezeichnung, das fände er selbst, und
es wäre ja trostlos, wenn die Frauen einem deshalb davonliefen.
    »Oh, ich bin Ihnen noch nicht davongelaufen - und wie war's denn mit den
anderen?«
    »Ach, die Frauen, die ich bis jetzt - geliebt habe, waren eigentlich alle
schrecklich...«
    »Das ist ein melancholisches Bekenntnis - armer Dichter!«
    »Und wenn mir eine wirklich gefiel, hat Sir John jedesmal gesagt, sie sei
nichts für mich.«
    »Sie richten sich also immer danach, was er Ihnen sagt?«
    »Gott, er hat mich doch entdeckt und meine Eltern überzeugt, dass ich Talent
habe. Ich brauche jetzt nicht mehr zu studieren, und sie haben mich ihm
gewissermaßen anvertraut. Da muss ich mich doch etwas nach seinen Ratschlägen
richten. Zum Beispiel, als Sie...« Pause.
    »Aha, es geht also auch auf mich?«
    Der Dichter, verlegen, aber dann mutig:
    »Ja - auch auf Sie...«
    »Bitte, etwas Näheres darüber, das macht mich neugierig.«
    »Ich weiß nicht, ob es nicht indiskret ist...«
    »Dichter sind immer indiskret - meint John, dass ich Ihr jugendliches
Gemüt...«
    »O nein, im Gegenteil. Ihr Umgang wäre sehr gut für mich. Aber Sie sind doch
- pardon, es klingt so...«
    »Nur weiter.«
    »Also, er sagte, ich sollte mir keine Illusionen machen, Sie seien sozusagen
in festen Händen...«
    Ich musste so lachen, dass er ganz bestürzt war:
    »Ist es am Ende nicht wahr?«
    »Doch, es ist wahr, das heißt - ich bin eigentlich nie in sehr festen
Händen...«
    Er sieht mich etwas verwundert an:
    »Wieso? Ich dachte, Sie liebten ihn?«
    »Wen? Sir John oder den Rasta?«
    Ein rascher Blick - das war etwas unvorsichtig von mir, nun wird er anfangen
Rätsel zu raten.
    Dann
