 denn schon eine offizielle Persönlichkeit sein - nur so oder mit
Nebenberuf - etwas Tanzendes, Singendes, Springendes. Das schwächt die
Eifersucht ab, weil man damit renommieren kann: die Soundso? Aha - kenne ich
auch!
    Und ein Beruf, wäre er auch noch so lustig - wir wissen es beide, lieber
Doktor - selbst wenn der Himmel mir die schönsten Talente in die Wiege gelegt
hätte, die Ausdauer ist nun einmal vergessen worden, und ohne die geht es in
keiner Branche.
    Übrigens habe ich immer wieder die Beobachtung gemacht, dass die Mädchen, die
aus unteren Schichten heraufkommen, viel energischer und zielbewusster danach
streben, Karriere zu machen. Sie wollen um jeden Preis nach oben kommen und
reüssieren deshalb auch viel eher. Wir anderen - ich zum Beispiel, bin sehr
verwöhnt aufgewachsen, die äußeren Annehmlichkeiten waren einfach da und
erschienen mir nie als etwas Außerordentliches. Das bleibt im Gefühl - hätte ich
von heute auf morgen Haus und Hof, Equipage, Dienerschaft und so weiter - es
würde mir nur selbstverständlich vorkommen. Ist es nicht vorhanden, so empfinde
ich das eigentlich wieder nur als einen provisorischen unangenehmen Zustand. Hat
man den Zug verpasst, so muss man halt auf irgendeiner mesquinen kleinen Station
warten, aber man identifiziert sich deshalb noch nicht mit ihr.
    Ich fürchte überhaupt, die gute Erziehung, das Aufwachsen in einer
erstklassigen Umgebung (sehen Sie, wie ich mich in die Brust werfe)
beeinträchtigt die Entwicklung der praktischen und kaufmännischen Instinkte sehr
stark. Man empfindet es immer als widersinnig, dass die Existenzfrage sich nicht
ganz von selbst erledigt. Ich bin überzeugt, dass keiner meiner näheren
Standesgenossen imstande ist, einen Kursbericht zu verstehen; kommt er einmal
auf den Gedanken zu spekulieren, so lässt er es eben durch seinen Bankier machen.
Und als Frau - sollte man zumindest einen Impresario haben, dann wäre es schon
eine andere Sache. Aber dieses Amt übernimmt wieder kein Mann, der etwas auf
sich hält. - Man müsste - man sollte - ich weiß schon, mein Lieber, Sie haben
Ihre Freude daran, wenn ich auf dem Diwan liege und aus tiefster Seele sage: man
sollte eigentlich... und doch um keinen Preis aufstehen würde, um das, was man
eigentlich sollte, in Angriff zu nehmen...
 
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Nicht so ungeduldig, mein Freund - ich weiß sehr wohl, dass es sich gehört,
Briefe fertig zu schreiben, aber das Leben nahm mir die Feder aus der Hand, und
ich war seither nicht in Teestimmung. So hab' ich ihn als Fragment abgeschickt,
um Sie nicht länger warten zu lassen; und ich denke, für ein Fragment war er
lang genug. Heute würde ich nun wohl schwerlich den Faden wiederfinden
