 über typische Erlebnisse gehalten. Ich
glaube, der andere, die anderen sind von jeher mein typisches Erlebnis gewesen.
Und deshalb kam ich nie dazu, einem treu zu bleiben. Schon allein der fremde
Mann hat es auch in den stabilsten Zeiten unmöglich gemacht.
    Ein harmloses Beispiel:
    A... holt mich ab, zu irgendeiner Unternehmung. B..., der mich auch abholen
will, kommt dazu. Wir gehen also alle drei miteinander. Zu merken: ich stehe
beiden noch ganz unbescholten gegenüber. - In bezug auf A... habe ich meine
Vermutungen - er lädt mich denn auch auf übermorgen ein, aber es interessiert
mich einstweilen noch nicht besonders. B... begleitet mich heim - ich habe gar
keine Vorahnungen, aber es folgt une de ces heures und so weiter... und dann
natürlich auch eine Verabredung auf übermorgen.
    Der Abend mit A... geht in Szene und endigt schicksalsvoll, wir verlieben
uns heftig und auf Dauersache. Ich fühle auch gar kein Verlangen, ihn gleich von
vornherein zu hintergehen, aber ich habe B... auch sehr gerne und würde es
ungerecht finden, ihn nun umgehend wieder zu versetzen. Wie peinlich außerdem,
ihm beim ersten Rendezvous zu sagen: ich habe mich gestern in A... verliebt -
leben Sie wohl!
    Am meisten Kopfzerbrechen hat mir die Frage gemacht, welcher von ihnen nun
eigentlich der andere war.
    Und das ist immerhin noch ein einfacher Fall, die Sache kann auch
komplizierter liegen.
    Nein, guter Freund, es ist, weiß Gott, nicht immer leicht, seinen erotischen
Verpflichtungen nachzukommen. Monogamie und Treue sind sicher eine große
Vereinfachung des Problems.
    Sie möchten wissen, was es mit der irdischen und himmlischen Liebe für eine
Bewandtnis hat. Es ist eine häufige Erscheinung - ich kenne mehr als einen Mann,
in dessen Liebesleben diese sinnige und zweckmässige Zweiteilung eine Rolle
spielt. Ob sie auch bei Frauen vorkommt, weiß ich nicht. Von Frauen weiß man
überhaupt sehr wenig, wenn man selber eine ist.
    Die himmlische ist natürlich ein Wesen, das weit über allen anderen steht
und das er aus irgendwelchen Gründen nicht in realere Sphären hinabziehen kann
oder will - so etwa, was man eine Lichtgestalt nennt. Es gehört dazu, dass sie
für ihn und sein irdisches Treiben die nötige Auffassung hat, er darf
schuldbeladen zu ihr kommen und fühlt sich durch ihr Verstehen entsühnt. Das
haben ja manche Männer gern.
    Die irdische ist - nun, einfach eine Frau, mit der man intim liiert ist. Vor
allem muss sie einer Bedingung entsprechen: sie darf ihn nicht ganz für sich
haben wollen und nicht neugierig auf die himmlische sein.
    Es ist auch
