 und wieder verschwindet, als wäre nun alles Nötige getan. Es ist
möglich, dass es ihnen eines Tages einfällt, bis in meine Stube zu kommen, sie
wissen bestimmt, wo ich wohne, und sie werden es schon einrichten, dass der
Koncierge sie nicht aufhält. Aber hier, meine Lieben, hier bin ich sicher vor
euch. Man muss eine besondere Karte haben, um in diesen Saal eintreten zu können.
Diese Karte habe ich vor euch voraus. Ich gehe ein wenig scheu, wie man sich
denken kann, durch die Straßen, aber schließlich stehe ich vor einer Glastür,
öffne sie, als ob ich zuhause wäre, weise an der nächsten Tür meine Karte vor
(ganz genau wie ihr mir eure Dinge zeigt, nur mit dem Unterschiede, dass man mich
versteht und begreift, was ich meine -), und dann bin ich zwischen diesen
Büchern, bin euch weggenommen, als ob ich gestorben wäre, und sitze und lese
einen Dichter.
    Ihr wisst nicht, was das ist, ein Dichter? - Verlaine... Nichts? Keine
Erinnerung? Nein. Ihr habt ihn nicht unterschieden unter denen, die ihr kanntet?
Unterschiede macht ihr keine, ich weiß. Aber es ist ein anderer Dichter, den ich
lese, einer, der nicht in Paris wohnt, ein ganz anderer. Einer, der ein stilles
Haus hat im Gebirge. Der klingt wie eine Glocke in reiner Luft. Ein glücklicher
Dichter, der von seinem Fenster erzählt und von den Glastüren seines
Bücherschrankes, die eine liebe, einsame Weite nachdenklich spiegeln. Gerade der
Dichter ist es, der ich hätte werden wollen; denn er weiß von den Mädchen so
viel, und ich hätte auch viel von ihnen gewusst. Er weiß von Mädchen, die vor
hundert Jahren gelebt haben; es tut nichts mehr, dass sie tot sind, denn er weiß
alles. Und das ist die Hauptsache. Er spricht ihre Namen aus, diese leisen,
schlankgeschriebenen Namen mit den altmodischen Schleifen in den langen
Buchstaben und die erwachsenen Namen ihrer älteren Freundinnen, in denen schon
ein klein wenig Schicksal mitklingt, ein klein wenig Enttäuschung und Tod.
Vielleicht liegen in einem Fach seines Mahagonischreibtisches ihre verblichenen
Briefe und die gelösten Blätter ihrer Tagebücher, in denen Geburtstage stehen,
Sommerpartien, Geburtstage. Oder es kann sein, dass es in der bauchigen Kommode
im Hintergrunde seines Schlafzimmers eine Schublade gibt, in der ihre
Frühjahrskleider aufgehoben sind; weiße Kleider, die um Ostern zum erstenmal
angezogen wurden, Kleider aus getupftem Tüll, die eigentlich in den Sommer
gehören, den man nicht erwarten konnte. O was für ein glückliches Schicksal, in
der stillen Stube eines ererbten Hauses zu sitzen unter lauter ruhigen,
sesshaften Dingen
