. Aber das Herzle sagte zu mir:
    »So ist es mit deinem Inkognito also vorbei!«
    »Noch nicht,« antwortete ich.
    »Glaubst du, dass dieser Kiowa schweigt?«
    »Wenn ich es wünsche, ja.«
    »So gefällt er dir?«
    »Gewiss!«
    »Mir auch. Weißt du, er hat so etwas Aufrichtiges und zugleich Wehmütiges an
sich. Die Wehmut blickt allerdings fast aus jedem indianischen Auge, aber hier
tritt sie doppelt deutlich hervor. Es ist, als ob dieser Mann einen tiefen,
andauernden Gram in sich trage. Man sollte helfen können! - Meinst du nicht?«
    »Hm! Mein Herzle möchte freilich gern allen Leuten helfen, doch ist innerem
Kummer nicht so leicht beizukommen, wie du denkst. Man muss ihn vor allen Dingen
erst kennen lernen, und du weißt, die Indianer sind verschwiegen.«
    »O, was das betrifft, da kennst du mich. Was ich einmal wissen will, das
frage ich gewiss heraus!«
    »Ja, leider, leider!«
    »Sogar aus Indianern!«
    »Gewiss, gewiss! Ich kenne dich! Du fragst es heraus, ganz gleich, ob die
Menschen weiß oder rot, gelb, grün oder blau aussehen! Aber der hier ist
verschwiegen.«
    »Denkst du?«
    »Ja. Der sagt dir nichts!«
    »Hm! Wollen wir wetten?«
    »Ich wette nie. Das weißt du doch.«
    »Was zahlst du mir, wenn ich schon morgen früh seinen ganzen Kummer kenne?«
    »Was forderst du?«
    »Nochmals fünfzig Mark für unser Radebeuler Krankenhaus!«
    »Kind, werde mir nicht zu teuer!« rief ich erschrocken aus. »Wieviel zahlst
du denn, wenn du morgen früh nichts erfahren hast?«
    »Das doppelte, nämlich zur Strafe hundert Mark!«
    »Das ist freilich höchst anständig, ja sogar nobel! Das Krankenhaus könnte
also bei dieser Wette nur gewinnen. Aber woher nimmst du die hundert Mark?«
    »Von meinem Kredit bei dir!«
    »Ich danke, danke! Für Wetten kreditiere ich keinen Pfennig. Versuche es
dort mit dem alten Pappermann! Vielleicht gelingt es dir, ihn für dein
Krankenhaus zu interessieren!«
    »Der arme Teufel! Hat weder in seinem Hotel noch auf seinem Hotel noch etwas
stehen! So sagte er doch wohl? Übrigens bitte ich dich, ihn von dem Kiowa zu
trennen.«
    »Warum?«
    »Weil ich von jetzt an hingehöre!«
    »Ah? Du willst deine Forschung sogleich beginnen?«
    »Ja. Ich muss unbedingt erfahren, was dieser Indianer auf dem Herzen hat.
Denke dir
