, Professoren, Ärzte,
kurz, alle diejenigen Personen und Stände zusammengefasst, durch welche die
intellektuellen und etischen Potenzen jener Zeiten sich betätigten. Es gab
unter diesen später als »Medizinmänner« bezeichneten Koryphäen genau ebenso
berühmte und hochberühmte Namen wie in der Entwicklungsgeschichte der
asiatischen und europäischen Rassen, und sie sind nicht für immer, sondern nur
für einstweilen verschollen, weil unsere Kenntnis und unser Verständnis noch
nicht so weit vorgeschritten ist, jenes geschichtliche Dunkel zu erleuchten.
Wenn die Medizinmänner der Gegenwart nicht mehr die Medizinmänner der
Vergangenheit sind, so trägt der Indianer gewiss nicht allein die Schuld daran.
Die geistige Elite der Inkas, der Tolteken und Azteken, also die
»Medizinpflegerschaft« der Peruaner und Mexikaner, stand gewiss nicht auf einem
sehr viel niedrigeren Niveau als die Abenteurer eines Kortez und Pizarro, und
wenn diese damalige Höhe sich infolge der spanischen Invasion zur heutigen Tiefe
neigte, so dass wir jetzt die Indianer einfach und kurzerhand als »Wilde«
bezeichnen, so brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, dass auch ihre
Medizinmänner mit herabgekommen sind. Sie waren gezwungen, diesen Niedergang
mitzumachen.
    Trotzdem aber sind sie noch lange nicht das, wofür wir sie halten. Ich habe
noch keinen Weißen kennen gelernt, der von irgend einem Medizinmann in seine
Geheimnisse und Anschauungen eingeweiht worden ist oder der wenigstens die
Symbolik der betreffenden Gebräuche derart begreift, wie sie begriffen werden
muss, ehe man behaupten kann, über sie sprechen oder gar schreiben zu dürfen. Ein
wirklicher Medizinmann, der es ernst mit seinem Amte und seiner Würde nimmt,
gibt sich nie zu Schaustellungen her. Die sogenannten Medizinmänner der von Zeit
zu Zeit hier bei uns herumvagabundierenden Völkerwiesenindianer sind alles
andere, aber nur keine wirklichen Medizinmänner, und an ihren Verrenkungen,
Sprüngen und sonstigen Possen würde ein solch letzterer gewiss ebensowenig
teilnehmen, wie zum Beispiel bei uns ein ernstgesinnter Gottes- oder
Weltgelehrter auf den Gedanken kommen könnte, auf einem Jahrmarkt oder
Vogelschiessen für Geld und öffentlich einen Schuhplattler oder einen
Purzelbäumler zu tanzen.
    Ich bitte meine Leser, diese Ausführungen ja nicht für langweilig oder gar
für überflüssig zu halten. Ich musste das sagen, denn es gilt, von nun an gerecht
zu sein und von den bisherigen Fehlern, die wir in der Psychologie der roten
Rasse begingen, endlich einmal abzulassen. Wenn wir in Tatellah-Satah einen
jener alten, hochstehenden Medizinmänner der Vergangenheit kennen lernen, die
wie Säulen im Bilde eines Tagesscheidens stehen, so war ich als gewissenhafter
und wahrheitstreuer Zeichner verpflichtet, den forschenden Blick auf die
Betrachtung dieses Gemäldes vorzubereiten.
    Der geheimnisvolle Mann, von dem ich mit so großer Hochachtung spreche, war
nicht etwa mein Freund gewesen, o nein! Aber ja auch nicht mein Feind! Er war
überhaupt keines Menschen Feind.
