 des harmlosen Plauderns suchte jeder in den Augen des andern die
Erinnerung einer glühenden Stunde unter den tiefen Nachmittagsschatten eines
dunkelgrünen Parks. Aber beiden schien sie heute wie in unzugängliche Tiefen
versunken. Endlich saß er mit Else an dem kleinen Tischchen, auf dem
Photographien und Bücher lagen. Auch sie stellte zuerst gleichgültige Fragen,
wie alle andern.
    Plötzlich aber, ganz unvermutet und etwas leiser fragte sie: »Wie geht's
denn Ihrem Kind?«
    »Meinem Kind ...?« Er zögerte. »Sagen Sie mir, Else, warum fragen Sie mich
eigentlich ...? Es ist ja doch nur Neugier.«
    »Sie irren sich, Georg«, erwiderte sie ruhig und ernst, »wie Sie sich ja
meistens in mir geirrt haben. Sie halten mich für recht oberflächlich, oder weiß
Gott was. Nun, es hat ja keinen Sinn, weiter darüber zu reden. Aber jedenfalls
ist es nicht so ganz unbegreiflich, dass ich mich nach dem Kind erkundige. Ich
möchte es gern einmal sehen.«
    »Sie möchten es sehen?« Er war bewegt.
    »Ja. Ich hätte sogar noch eine andre Idee ... die Sie aber wahrscheinlich
ganz verrückt finden werden.«
    »Lassen Sie doch hören, Else.«
    »Ich denke mir nämlich, wir könnten es zu uns nehmen.«
    »Wer, wir?«
    »James und ich.«
    »Nach England?«
    »Wer sagt Ihnen denn, dass wir nach England gehen? Wir bleiben hier. Wir
haben schon eine Wohnung gemietet, im Kottage draußen. Es braucht's ja niemand
zu wissen, dass es Ihr Kind ist.«
    »Was für ein romanhafter Gedanke.«
    »Gott, warum romanhaft? Anna kann's doch nicht bei sich haben und Sie doch
erst recht nicht. Wo soll's denn während der Proben stecken? Im Souffleurkasten
vielleicht?«
    Georg lächelte. »Sie sind sehr gut, Else.«
    »Ich bin gar nicht gut. Ich denk nur, warum soll denn so ein unschuldiges
kleines Geschöpf dafür büßen, oder darunter leiden, dass ... na ja, ich meine, es
kann doch nichts dafür ... schließlich ... Ist es ein Bub?«
    »Es war ein Bub.« Er machte eine Pause. Dann sagte er leise: »Es ist nämlich
tot.« Und er sah vor sich hin.
    »Was? Ach so, Sie wollen sich ... vor meiner Zudringlichkeit schützen.«
    »Else, wie können Sie denn ... Nein, Else. In solchen Dingen lügt man
nicht.«
    »Also wirklich? Ja, wie ist
