 als Georg ihn begrüßte. Ihm war es bekannt, dass Georg als Kapellmeister
in Düsseldorf wirkte.
    »Detmold«, sagte Georg, und er dachte: Sonderlich viel beschäftigen sich die
Leute hier ja nicht mit mir ... Aber was tut's.
    Skelton erzählte von der Tristanvorstellung, und Georg erwähnte, dass er
Ehrenbergs gesprochen hatte.
    »Wissen Sie, dass Oskar Ehrenberg sich auf dem Weg nach Indien oder Ceilon
befindet?« fragte Doktor von Breitner.
    »So?«
    »Und was glauben Sie mit wem?«
    »Wohl in weiblicher Gesellschaft.«
    »Ja, das natürlich, ich höre sogar, sie haben fünf oder sieben Weiber mit.«
    »Wer sie?«
    »Oskar Ehrenberg ... und raten Sie einmal ... Na, der Prinz von Guastalla.«
    »Nicht möglich!«
    »Komisch was? Sie haben sich heuer in Ostende oder in Spa sehr angefreundet.
Cherchez ... und so weiter. Wie es nämlich Frauenzimmer gibt, derentwegen man
sich schlägt, so scheint es wieder andre zu geben, über die man sich gleichsam
die Hände reicht. Sie haben nun gemeinschaftlich Europa verlassen. Vielleicht
gründen sie ein Königreich auf irgend einer Insel, und Oskar Ehrenberg wird
Minister.«
    Willy Eissler war erschienen, blassgelb im Gesicht, übernächtig und heiser.
»Grüß Sie Gott Baron, verzeihen Sie, dass ich nicht paff bin, aber ich habe schon
gehört, dass Sie da sind. Irgendwer hat Sie in der Kärtnerstrasse gesehen.«
    Georg bat Willy, seinem Vater vom Grafen Malnitz Grüße zu bestellen er
selbst hätte diesmal leider keine Zeit, den alten Herrn aufzusuchen, dem er wie
er mit bescheidner Koketterie bemerkte seine Stellung in Detmold verdanke.
    »Was Ihre Zukunft anbelangt, lieber Baron«, sagte Willy, »hab ich mir nie
Sorgen gemacht, besonders seit ich im vorigen Jahr oder ist es schon länger her?
Ihre Lieder von der Bellini hab singen hören. Aber dass Sie sich entschlossen
haben Wien zu verlassen, das war eine gute Idee von Ihnen. Hier hätte man Sie
jedenfalls noch einige Jahrzehnte lang für einen Dilettanten gehalten. Das ist
schon einmal nicht anders in Wien. Ich kenne das. Wenn die Leute wissen, dass
einer aus guter Familie ist, nebstbei Sinn für schöne Krawatten, gute Zigaretten
und verschiedene andre Annehmlichkeiten des Daseins hat, so glauben sie ihm die
Künstlerschaft nicht. Ohne ein Zeugnis von draußen werden Sie hier nicht ernst
genommen ... also bringen Sie nur bald einige glänzende mit, Baron.«
    »Ich werde mich bemühen«, sagte Georg.
    »Haben die Herren übrigens schon das Neueste gehört«, begann Willy wieder.
»Leo Golowski,
