 sie heiß dem
Korydon in die Arme fliegen. Der Korydon war da und stellte sich ihr sehr
lebhaft vor, eine kurze Topographie seines inneren neuentdeckten Terrains
entwerfend, die üppige Vegetation seiner Triften beschreibend. Das muntere Ding
nahm es harmlos auf, und im raschen Fluße der Worte und Begebenheiten - denn
die phantastische Welt des Balletts spielte im Köpfchen noch weiter - überließ
sie sich nach geringem Sträuben der Woge meines Anerbietens, sie nach Hause zu
geleiten. Ich schwor bei Pistols Sekt und Fallstaffs Schwert - sie hatte
Heinrich IV. wahrscheinlich noch nicht gesehen - ich würde die Stadt anzünden,
wenn sie nicht in diesem reizenden Kostüme bliebe, sie gewährte, warf den Mantel
um und wir gingen.
    dabei, lieber Hippolyt, muss ich im Vorbeigehen dem Valerius recht geben, und
ihm Dank sagen; er behauptete oft, wenn von dem Reiz der Schauspielerinnen die
Rede war, dass man mit diesen Damen nur verkehren müsste, wenn sie noch in
selbigem Anzuge seien, der sie auf der Bühne geschmückt, mit dem Gewande
schwinde die Illusion, und man bekäme ein Gedicht in schleppende Prosa
übersetzt.
    Wahrhaftig, die Welt der Täuschung ist ja das einzige, was am Leben erfreut,
ein Narr, der einen Fetzen davon aufgibt. Das Gepränge der Täuschung macht die
Schauspielerinnen gefährlich, - wer möchte in die Gefahr eingehen und den Glanz
wegwerfen. Eine Bajadere in ein Kattunkleid gesteckt, das zwei Ellen lang,
lieben wollen, heißt sich an einer Statue ergötzen, die gegen die Witterung in
Leinwand gehüllt ist.
    Kurz, ich führte meine Bajadere nach Hause und sprach geflügelte Worte mit
ihr. Aber das Erzählen ist träg - ein andermal von Euren Taten, Sir John - Ade,
mein Fähnrich!
 
                           2. Konstantin an Valerius.
Ich lebe hier noch ebenso einförmig, wie ich Dir's geschildert habe: äußerst
selten ein poetischer Augenblick - ein nüchternes Vegetieren. Es weiß der
Himmel, woran das liegt. Ich gebe mir alle ersinnliche Mühe, das zu ändern - Du
wirst dies aus meinen philantropischen Bestrebungen im Briefe an Hippolyt
erkennen. Ich suche tastend nach allen Spitzen meiner Gemütsnerven: es geht
nicht; wenn ich neben Rosa sitzend einen an seinem Endpunkte erreicht habe, so
schnellt er mir immer wieder davon. Es ist sehr ärgerlich. - Durch Goethe hab'
ich sehr große Begier nach Italien bekommen, - ich will es indessen versuchen,
hier seine Elegien nachzuleben. Aber ich glaube, es ist italische Sonne und
italischer Himmel nötig, denn ich schaffe alle Ingredienzien seiner Poesie
herbei, aber ich kann das Getränk nicht zustande bringen. Du glaubst nicht,
Valerius, was ich mir für Mühe gebe, poetisch zu genießen. Es weiß der Kuckuck,
warum es nicht gehen will.
