 war dies: in einiger Entfernung von meinem Kerker
höre ich zuweilen Ketten rasseln, ich denke, es mag ein Bösewicht sein, und ich
fühl's an meiner Schwäche, dass ich ja auch gar nicht sicher bin, ein solcher zu
werden. O, was ist der Mensch! - Und zu einem Erzählen komme ich immer nicht,
und mein Klagen darüber füllt den spärlichen Papierraum nutzlos. Nun, ich will
meine gefangenen Ideen noch spezieller einzufangen suchen für die Darstellung,
diese notwendige Ordnung wird mir doch ein Geschäft sein und als solches, ach,
wie willkommen! Heute habe ich nur ein Papierstreifchen, das ums Licht gewickelt
war, und muss schließen.
    Triumph! Der Wärter hat mir ein altes, schlechtes Buch geliehen, darin ist
vom Okulieren der Bäume, von Vertreibung der Hühnerwurzeln, vom Gelbmachen der
Butter und solchen Dingen die Rede; aber es ist etwas Lesbares, etwas außer mir,
was zu Hilfe kommt, ich habe einen Trost, eine Hoffnung, wenn mir die Gedanken
ausgehen; ich klettere dann hinauf zu dem kleinen Fensterchen, welches durch
Eisenstäbe und eine Blechblende von der Außenwelt abscheidet und nur ein
schmales Stückchen Himmel oben hereinlässt, dort lese ich über das Buttermachen,
und lese jede Zeile zweimal, dreimal, um recht lange Zeit über dem Buche
hinzubringen. Wie berauschend scheint mir der Traum, solch ein Gartenknecht
werden zu können, der graben und hacken darf in Gottes freier Natur, und wie
wollt' ich mich bei der Wirtin beliebt machen mit den geheimnisvollen
Kenntnissen, die ich aus der vergilbten Scharteke erlerne! Und nun der große
Gewinn: hinten und vorne in dem Buche sind zwei eingebundene schmutzige
Papierblätter, die werde ich stehlen, und aus der Mitte werde ich manches lose
Druckblatt herausziehen, um über den Druck hinwegzuschreiben; wenn es sich
später schwer lesen lässt, so habe ich ein neues Geschäft des Entzifferns, ich
bin jetzt sehr reich, lieber Himmel! Eher darf ich's aber nicht tun, als bis ich
das Buch zurückgegeben und nach mehreren Tagen erkannt habe, dass der Wärter
nichts vermisst. Es kommen also wieder einige schlimme Fasttage.
    Es ist gelungen, und nun will ich erzählen, aber nur vom Momente der
Gefangenschaft an; das Vorhergehende hat seine großen Umrisse mit der äußeren
Welt gemein, das vergesse ich nicht, aber die kleinen Schattierungen zwischen
vier Wänden entgehen mir; sie möchte ich festhalten. Ich fühle es, je länger
diese Einförmigkeit dauert, desto ausdrucksloser wird sie mir, ich gewöhne mich
und verliere in der Auffassung das Unterscheidende. Ach, und ein Ende ist nicht
abzusehen, in der jetzigen Form kann es jahrelang dauern, braucht gar nicht
aufzuhören. O! kein Mensch hört und sieht diesen Seufzer,
