 annehmen. Gott, Gott, soviel Worte! Adieu, Adieu
- ich küsse Sie von Herzen - der Graf legt einen Brief bei, worin er Sie gewiss
sehr bittet, zu uns zu kommen. O, wir bitten alle recht, recht schön, kommen Sie
bald zu Ihrer Kamilla.
 
                          10. Konstantin an Valerius.
Es ist eine Schwäche, dass ich meine Rhapsodien, wieder an Dich beginne, aber ich
will schwach sein. Lass mir die Freude oder das Leid. Ich bin sehr allein.
    Geehrtes Volk der Myrmidonen, ich danke Euch für Eure gute Meinung, die mir
William in ein paar albernen Zeilen kundgibt, dass ich ruiniert sei. Und wenn ich
eben an den Galgen hinaufgezogen werden sollte, ich würde dem hyperboräischen,
frommen Manne sagen, er sei ein Schwachkopf - der Mensch hat mich in Harnisch
gesetzt mit seinen biblischen Auszügen - man soll sich aber nicht in Harnisch
bringen lassen, vielmehr sich einer gewissen innern Ruhe befleissigen, nicht zu
schwere Weine trinken, ins Kloster gehen. Wir sind alle mehr oder weniger
Ophelien. O Hamlet, Welt, warum warst du so kühl gegen mich! Pfui doch! -
    O lieber Valer, tu mir die Freundschaft und tritt recht derb in den Dreck
der Dir verhassten Welt - ja so, Dir ist sie ja nicht verhasst - wenn Du dann die
Füße nicht mehr regen kannst, so bildest Du Dir ein, festzustehen.
    Brust heraus, Kopf in die Höhe! Und nun lass sausen und brausen - Mut, klare
Augen! Indem ich dies schreibe, tun mir meine Augen sehr weh. Ich habe die
Dinger in den romantischen Jahren der heimlichen Gymnasiastenlektüre gar zu sehr
angestrengt, und büsse jetzt für die Kleindrucksünden des Zwickauer Walter Scott.
    Noch immer wate ich getrost in der trostlosen Pfütze unserer Jurisprudenz;
warum ich das tu', ist leicht begreiflich: hungern ist immer besser als
verhungern. Wenn ich mehr Mut hätte, tät' ich's vielleicht nicht. Mut, Mut! der
fehlt uns und ganz Europa, sonst läg' es nicht so im argen. Nicht der Mut,
Gendarmen zum Einhauen zu kommandieren, wohl aber der, Lächerrlichkeiten ruhig
anzusehen oder Ernstes genau und unbefangen zu prüfen. Die Welt will jetzt nicht
nach Gesetzen leben, die da sind, weil sie da sind, sondern nach Gesetzen, die
aus der Zeit und dem Bedürfnisse hervorgehen, von denen sie weiß, warum sie da
sind. Gebt gutwillig, was man Euch später nimmt, und Ihr könnt für willenlose
Puppen Menschen einhandeln, meines Erachtens ein schöner Tausch. Ich bin kein
Narr, der den Staat für ein Rechenexempel ansieht, das in einer Stunde zustande
gebracht ist, aber ich bin auch kein Esel
