 wie die
Logik. Die Welt mag ein Exempel sein, aber wir haben keinen Rechnenknecht dazu
und können's nicht lösen, drum ist es wohl besser, sie für eine große Poesie zu
halten, deren Prinzipien uns unbekannt sind, und die wir ohne Prüfung genießen
sollen, so gut wir eben können. Sieh, das ist am Ende in wenig Worten die
Ausbeute meines Lebens, seit ich dich nicht gesehen habe. Oder richtiger: ich
bilde mir's diesen Augenblick ein, solch eine Ausbeute gewonnen zu haben, denn
ich muss dir ehrlich gestehen, ich hab' eigentlich nichts gelernt in der
sogenannten Lebensphilosophie, was man so lernen nennt. Das heißt, ich bin noch
immer zu keinen Prinzipien gekommen, und als ich neulich William begegnete, da
sagte er nach der ersten Viertelstunde, ich wäre noch immer der alte
Taugenichts, der zwecklos und somit tugendlos in die Welt hineinlebte. Gott
weiß, ob er recht hat, aber ich kann nicht anders, wenn ich nicht alle Freude
aufgeben soll, und das wäre am Ende doch auch sündlich, da die ganze Welt voll
Freude ist, und es sie missbrauchen hieße, wollte man ihre Hauptsache von der
Hand weisen. Du bist immer gut gegen mich gewesen, du wirst mich deshalb nicht
so hart angehen, und deinen Belehrungen will ich immer Folge leisten, o, ich
freue mich über alles, dich alten, lieben Valerius wiedergefunden zu haben; es
war mir oft ängstlich, so ohne meinen guten Schulmeister leben zu müssen. Du
weißt zwar, dass ich leicht und bequem mit den Menschen verkehre, dass ich mir
alle Tage einen guten Freund erwerben kann, aber es ist doch keiner wie du,
nein, wirklich, wenn du auch lachst, keiner wie du. Dein Ernst ist sanft, und
wenn du lachst, dann weiß ich gewiss, es ist alles in Ordnung, und ich darf
tüchtig mitlachen, ich fühle mich so sicher in deiner Nähe! Und wenn die Leute
sagen, ich sei leichtsinnig, du aber weißt, was ich treibe, und nicht eben
darüber schiltst, dann kümmert mich das Gerede der Leute nicht. Nun höre, was
ich getrieben habe. Aber lass uns hier bei Lessel eintreten, du musst etwas
genießen, damit dir der Choleraschreck nicht schadet - ja, apropos, ich bin
davon abgekommen, dir von der Cholera und unserer Heilung derselben zu sprechen.
Du weißt, ich bin in allen Dingen für die Poesie dieser Dinge, und weniger für
ihre strenge, ausgerechnete Wissenschaft. Du glaubst nicht, wieviel bloße Poesie
in unserer Heilkunst steckt. Darum lieb' ich sie. Wie jeder Mensch seine
individuelle Dichtung in sich trägt, so jeder Arzt seine eigene Medizin.
