 der Schönheit, trotz dieser einzigen Kristallisationen. Ja -
es ist immer eine Melodie: das heiße Übel der niederen Triebe - - mit den
allerfeinsten Sinnen ausgespürt. So etwas gibt es in der Welt. Das liegt
irgendwo im Grunde unseres Blutes. Dagegen muss Orpheus immer wieder Euridike aus
der Schattenwelt herauflocken ... unsere Unschuld im Blute - unsere
Morgenahnungen! Verstehen Sie, Selle?«
    Einhart vergaß ganz in Ehrfurcht, was er eigentlich wollte. Er sah nur
gespannt und entzückt hin.
    Aber dann sah ihn Soukoup fragend an. »Nun, ich freue mich, lieber Selle,«
sagte er, unvermittelt auf ihn eingehend, »dass Sie einmal kommen!« Immer noch
wieder gemeinsamen Blicks bei den Beardsleis. »Man ärgert sich oft über Sie!«
    »Ach verzeihen Sie nur, Herr Professor!«
    »Nun, weswegen kommen Sie?«
    »Es ist entsetzlich unangenehm.«
    »Oh, oh, oh, lieber Selle, Sie sollten auf der Hut sein!«
    Und Professor Soukoup sah den dunklen, gelbgrauen, schmächtigen Menschen,
der in seiner Hautfarbe und mit dem fettglänzenden Haarsträhn über der
Knabenstirn und mit seinen bekümmerten, verzehrten Blicken ihn sehr fesselte,
genau an und lächelte ihm zu.
    »Nun erzählen Sie mir erst!« sagte er bestimmt.
    So erzählte Einhart ganz offen alles.
    »Ja, ja, ja, ja,« sann jetzt Professor Soukoup für sich. »Meister Theodor ist
Ihr Freund ohnehin nicht! Sehen Sie! Und der Direktor weiß auch schon, dass Sie
zu leichtsinnig in den Tag leben. Möchten Sie nicht doch am besten - -? Jh! -
gleich jetzt gehen Sie hin! Ich habe dann guten Grund, wenn ich für Sie rede.
Hören Sie einmal, lieber Selle! Ich hoffe, Sie nehmen es mit dem Leben in der
Kunst so ernst wie mit dem Leichtsinn! Wie? Selle? Mein Lieber? Ich kann mir
schon denken,« sagte er dann mit zutraulichem Blick, »dass Sie jetzt noch
träumen, andere Himmel zu malen, als Meister Theodors Tafeln sie Ihnen vorführen.
Pah, pah, pah! was träumt man nicht alles, wenn man jung ist!« sagte er
versunken. »Und ein Schüler, der weiter blicken möchte, der sich auch nur weiter
sehnt, wie der Meister, das gibt keine Freundschaft, mein Lieber!«
    »Oder denken Sie anders?« fragte er Einhart mit eindringlichem Blick. »Wie,
Selle?«
    Worauf Einhart doch nur stumm blieb, dass auch Professor Soukoup eine Weile
ganz für sich erschien.
    »Der rechte Harm ist in der Tat Meister Theodors Sache nicht!« sagte er dann
nur in seiner
