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welche jedem Gelegenheit gibt, seine Gesinnung zu erproben, und durch
zahlreichen Besuch dem Gegner Achtung einflößt?
    Kommt alle zur Vorbesprechung, welche im Saale des Sternbräu stattfinden
soll, am Sonntag, den 16. Dezember, Nachmittag zwei Uhr, und woselbst das
Notwendige verabredet wird.
    Kommet alle, die ihr Zeit habt und ein Herz für unsern Stand und unser
Bayerland! Einigkeit macht stark, wie schon der große Römer sagt!«
    Der Aufruf fand Beifall an vielen Orten; der Stein war ins Rollen gebracht.
    »Da haben wir es«, sagte der Bezirksamtmann, und warf die Zeitung wütend auf
den Tisch. »Jetzt kann die Hetzerei in meinem Bezirk losgehen. Aber es soll mir
nur einer kommen von den Siebengescheiten, die das ganze Land in der Tasche
haben, und nicht einmal die paar Bauern in ihren Gemeinden zur Vernunft bringen
können! Es soll mir nur einer Vorwürfe machen!«
    Er zog heftig an der Glocke.
    »Mayerhofer!«
    Der Amtsdiener trat ein.
    »Sagen Sie dem Herrn Offizianten, er soll zu mir kommen.«
    »Jawohl, Herr Bezirksamtmann!«
    Otteneder legte die Hände auf den Rücken und ging auf und ab.
    Der Offiziant Schillinger blieb an der Türe stehen.
    »Herr Bezirksamtmann wünschen?«
    »Haben Sie den Aufruf im Wochenblatt gelesen?«
    »Ja.«
    »Ist der von unserm braven Schüchel geschrieben?«
    
    »Wenn Herr Bezirksamtmann erlauben, vom Schüchel ist er nicht.«
    »Von wem sonst?«
    »Ich weiß es auch nicht bestimmt; es ist nur eine Vermutung. Aber ich habe
den Schuhmacher Prantl in Verdacht.«
    »So, von dem? Allerdings, von einem Schuster hat der Stil was.«
    »Der Prantl ist bekannt als Bauernbündler, wenn Herr Bezirksamtmann
erlauben. Und die Leitartikel, mit den griechischen und lateinischen Wörtern,
sollen auch von ihm sein.«
    »Der Kerl steckt bis über die Ohren in Schulden?«
    »Er steht nicht gut, was man hört. Einmal ist er schon ausgepfändet worden.«
    »Der hat's notwendig! Schreibt, dass gewisse Elemente vom Handwerker leben.
Damit meint er natürlich die Beamten?«
    »Jawohl, Herr Bezirksamtmann. Er schimpft überhaupt in allen Wirtshäusern
herum. Das hat er schon immer getan, so lang' ich ihn kenne.«
    »Das werde ich mir merken. Sagen Sie, Herr Offiziant, der Sternbräu, gibt
denn der seinen Saal her zu der Versammlung?«
    »Gern auch noch, Herr Bezirksamtmann.«
    »Was will denn der Mensch? Er ist doch sehr vermögend. Wie gibt sich der mit
solchen Geschichten ab?«
    »Wenn mir Herr Bezirksamtmann die Bemerkung erlauben,
