 will, der muss Chinese werden. Es gibt in
dieser Rasse ein Ferment, dem keine Rasse widerstehen kann. Sie wird jeden Feind
assimilieren, und wer mit ihr verkehren, dabei aber dieser Aufsaugung entgehen
will, der muss beherzigen, dass es nur ein einziges Mittel gibt, nämlich Freund
anstatt Feind zu sein!«
    »Welch ein Glück für unsern Freund Waller!« erklang es wieder scherzend. »Er
wird nicht assimiliert, denn er kommt ja doch als Freund!«
    »Irren Sie nicht! Der Chinese schätzt seinen Glauben nicht niedriger ein als
wir den unserigen; ja, in Beziehung auf seine mehrtausendjährigen Sitten und
Anschauungen wird er uns trotz aller sonstigen Überlegenheit doch nicht anders
als nur Barbaren nennen. Er wird Jeden, der zu ihm kommt, um ihm für seine
Religion eine andere anzubieten, für einen Dummkopf halten, und wenn dieser
Ignorant bei seinem Vorsatze bleibt, so ist bis zur Feindschaft nur ein kleiner
Schritt. Dazu kommt leider Wallers krankhafte Eigenart. Er ist erblich
belastet.«
    »Ihre alte Meinung, lieber Professor! Ich aber halte ihn zwar für
außerordentlich nervös, doch nicht für geisteskrank.«
    »Das habe ich auch nicht gemeint. Erblich belastet kann man auch in anderer
als nur ärztlicher Beziehung sein. Erblich belastet ist für uns der Chinese in
Hinsicht auf seinen Ahnenkultus, den er von den Vorfahren geerbt hat. Erblich
belastet für den Chinesen ist Waller bezüglich seiner religiösen Unduldsamkeit,
welche jedem Gliede seiner Familie seit Generationen anerzogen worden ist. Hält
er doch sogar jeden Christen, der nur im Geringsten anders denkt oder glaubt als
er, für ewig verdammt und verloren! Auf religiöse Kontroversen sich mit ihm
einzulassen, ist geradezu unmöglich, weil er jede andere Meinung als Beleidigung
behandelt. Und dabei gehört sein Christentum nicht einmal einem gewissen
kirchlich abgegrenzten Bekenntnisse an, sondern es beruht auf den Lehrsätzen,
welche sich in seiner Famile nach und nach herausgebildet haben und von den
Eltern auf die Kinder vererbt worden sind. Dazu kommt, dass er seinem Vater hat
versprechen müssen, Missionar zu werden, um durch die Verbreitung dieser
religiösen Familientraditionen möglichst viele Heiden zu bekehren und dadurch
für sich und seine Vorfahren bei Gott ein Verdienst zu erwerben, welches ihnen
im Jenseits angerechnet werden muss.«
    »Vorfahren? Das grenzt ja an den chinesischen Ahnenglauben!«
    »Natürlich! Und doch wettert er so gegen ihn! Seine verstorbene Frau, eine
wahre Engelsseele, milderte, so viel sie konnte. Sie hätte ihn, wenn sie am
Leben geblieben wäre, wohl nicht nach China gehen lassen. Es ist ihm gelungen,
durch Verbreitung jener religiösen Traditionen so eine Art von Sekte um sich zu
bilden, zu welcher sehr reiche Leute gehören. Diese haben es für
