 die Stuben und lesen so lange, bis wir finden, was wir suchen.
Dafür bekomme ich eine ganze Million!«
    »Mensch - - Omar - - Sejjid,« rief ich da lachend aus; »hält dieser Kerl
dich für dumm!«
    »Ja! Ich wollte ihm eigentlich in das Antlitz spucken; aber da hätte er
recht gehabt; da wäre ich wirklich dumm gewesen! Darum machte ich ein so
albernes Gesicht, weißt du, wie nicht einmal er es bringen kann, und fragte mich
immer weiter in seine Freundschaft, in seine Liebe und in sein Vertrauen hinein,
bis ich an die Stelle kam, an welcher, ganz genau gezählt, fünfhundert Rebellen
stecken. Das ist jenseits unserer Grenze, bei einem Heidentempel, der heißt Ki.
Die versammeln sich nacheinander, heut und morgen. Übermorgen aber ist der
richtige Tag, nämlich ein großes Fest, der Geburtstag der Frau Shen. Da kommen
die Rebellen über die Grenze herüber und feiern den Geburtstag mit. Sie tun
zunächst, als ob sie diese Shen auch liebten. Sie verteilen sich überall in
unserm Lande. Sie hören unsere Festredner an und jubeln ihnen mit zu. Aber nach
und nach beginnen auch sie zu reden, erst heimlich und dann öffentlich. Was sie
da sagen wollen, das habe ich nicht erfahren, aber es soll große Wirkung haben
und alle Welt begeistern. Dann ist es Rebellion. Es werden die Waffen verteilt,
die sich in diesem Dampfer hier befinden, und wenn das neue Reich gegründet ist,
bekommt Jedermann so viel Opium, wie er braucht, um Allahs sieben Himmel alle zu
sehen. Das ist für die dummen Chinesen, die über die Millionen nur Unbestimmtes
erfahren. Wir Andern aber, wir Klugen, wir gehen heimlich hin, wo sie liegen,
und nehmen uns Jeder sein Teil, welches ihm versprochen worden ist.«
    »Wir Andern, sagst du. Wer ist das?« fragte ich.
    »Frage nicht mich, sondern ihn, wenn du ihn wieder siehst. Mir hat er es
nicht gesagt, und ich habe ihn auch gar nicht gefragt, weil er mich dann nicht
bloß für dumm, sondern gar für ganz verrückt gehalten hätte. Was von dem, was er
mir vorschwatzte, wahr und was nur Schwindel ist, das habe nicht ich zu
entscheiden. Aber es war meine Pflicht, so viel von ihm zu erfahren, wie nur
möglich war, und das habe ich getan. Bist du mit mir zufrieden?«
    »Sehr, lieber Omar, sehr! Aber war es denn nötig, dich einsperren zu
lassen?«
    »Nein,« antwortete er. Und lachend fügte er hinzu: »Ich versichere dir, dass
es
