 es sich um altersschwache, kranke Zustände handle, schon in den ersten
Stunden arg erschüttert wird.
    Freilich, wer ein so groß, dick und fett gepflegtes Vorurteil mit sich
bringt, dass sein klares, unparteiisches Urteil von diesem gefrässigen Behemot
vollständig verschlungen worden ist, der wird hier, an der Aussenpforte der
chinesischen Welt, nichts als den oberflächlichen Eindruck verspüren, dass er
jetzt den ersten Schritt in das Land der Bizarritäten getan habe.
    Von den ersten Kinderschuhen an hat man durch alle Klassen der Volks- und
höheren und höchsten Schulen über die Chinesen nichts Anderes gehört, als dass
sie wunderlich gewordene, verschrobene Menschen seien, über welche die
Weltgeschichte schon längst den Fluch der Lächerlichkeit ausgesprochen habe. In
unzähligen Büchern, Zeitungen und sonstigen Veröffentlichungen wird dieses
billige Urteil breiter und immer breiter getreten; man atmet es ein; man
schluckt es hinunter; es wird mit in Chymus und Chylus verwandelt; es geht auf
die Knochen, in Fleisch und in Blut über und bildet ein so unausrottbares
Bestandteil unserer geistigen Existenz, dass wir gar nicht auf den Gedanken
kommen, zu fragen, ob es ein wahres und also berechtigtes sei. Ich erlaube mir,
meinem Gedankengange durch die Bemerkung vorauszugreifen, dass es den Chinesen
ganz in derselben Weise auch mit uns ergeht; sie bekommen von den Kinderjahren
an bis in das Greisenalter über uns nur immer die eine, einzige Lehre
wiederholt, dass wir wunderliche Narren seien, mit denen die Weltgeschichte
nichts mehr anzufangen wisse, weil wir an sie die unerhörte Forderung stellen,
uns für ihre Lieblinge zu erklären und die anderen Nationen vollständig fallen
zu lassen. Mit andern Worten, die Chinesen halten uns für ganz dieselben Toren,
die sie in unsern Augen sind.
    Wer mit einer solchen, förmlich in das Wesen übergegangenen Ansicht nach dem
Osten kommt, von dem ist nicht anzunehmen, dass er so bald andern Sinnes zu
machen sei. Er kann sich jahrelang in China aufhalten und wird nicht nur ganz
der Alte bleiben, sondern vielleicht gar noch schroffer als früher denken, wenn
seine Voraussetzungen, dass er mit seinen Ideen das weite, fremde Land im Sturm
erobern könne, nicht in Erfüllung gehen. Es gibt keiner von Beiden nach, und so
bleiben Beide, wie sie sind. Nur Eins ist nicht geblieben: die Erbitterung ist
größer geworden! Das ist die einfache Erklärung der sonst unbegreiflichen
Tatsache, dass Leute welche ein halbes, ja gar ein ganzes Menschenalter in China
zugebracht haben und also wohl mit Recht behaupten, Land und Leute genau zu
kennen, dieses Land und diese Leute genau noch ebenso falsch beurteilen wie
Einer, der niemals dort gewesen ist. Ihre Kenntnis ist - - - Photographie! Ihr
ganzes, vielleicht außerordentlich reiches Wissen besteht aus leb- und
