 Abschiedsworte zu sagen.
    Sie machte ein Gleichnis und sprach: Wenn du einen Tropfen Essig schüttest
in ein Fass edlen Weines, so wird der Essig zu Wein; und umgekehrt, wenn du einen
Tropfen Wein giessest in ein Fass mit Essig, so verliert er seine Natur und wird
zu Essig. Also ist auch der Menschen Natur, denn wenn ein guter Mansch kommt in
böse Gesellschaft, so verliert er alsbald seine Art und nimmt schlechte Art an,
gleichwie ein Böser, der in gute Gesellschaft kommt, sich zu guter Art schlägt.
Dieses bedenke und hüte dich vor lockeren Buben, die du viele treffen wirst auf
der hohen Schule und in der großen Stadt. Denn wir, ich, dein Vater, deine
Großmutter und unsre Magd Dorrel haben uns getreulich bemüht, dass du ein guter
Mensch werdest; jetzt aber müssen wir dich ziehen lassen, mit Furcht und Sorgen,
dass du uns nicht verdorben werdest und zurückkehrest als ein nichtsnutziger und
verkommener Mensch. Und lass dich auch nicht verführen durch Neugierde und
Eitelkeit, dass du zu tun bekommst mit solchen Buben, und du meinst, es soll nur
auf kurze Zeit sein, nachher aber gedenkst du sie zu meiden; sondern denke, dass
das Böse sich an den Menschen hängt wie Kletten, auch durch leise Berührung, und
schwer ist es, dass sich einer wieder befreit von dem Unkrautsamen an seinem
Gewande. Besonders aber warne ich dich vor der Eitelkeit; denn du weißt wohl,
dass die Bösen spotten über die Guten und ihnen vorwerfen, sie seien unfrei, weil
sie nicht tun wie sie und hören auf erfahrene Leute, dahingegen doch die Bösen
selbst unfrei sind, denn wohl tun sie die ersten Schritte ohne Zwang, alle
weiteren aber als Knechte ihrer früheren Taten; ein Trinker kann nicht mehr
lassen vom Trinken und ein Hurer vom Huren, sondern ihr Teufel zieht sie hinter
sich her an ihren Haaren. Du musst aber wissen, dass dieses die besondere
Verblendung des Satans ist, dass er macht, dass seine Knechte sich für frei
halten; denn sie lügen nicht, wenn sie der andern spotten, sondern reden aus
ihrer wahren Meinung.
    Und wirst du nicht bloß böse Buben finden, sondern auch schlechte Mädchen,
die dich verführen wollen zu Unkeuschheit und Werken der Wollust. Dazu wird
deine eigne Begierde wach werden, denn du bist jetzt in die Jahre gekommen, da
der Mann sich nach dem Weibe sehnt, und geschieht diese Verführung aus dem
natürlichen Menschen und ist deshalb stärker wie die andre zum Trinken, Spielen
und Balgen. Deshalb denke, dass du keusche und reine Eltern gehabt hast, denn
dein Vater ist in das Ehebett gestiegen als ein unbefleckter Jüngling, gleichwie
ich als reine Jungfrau. Und denke ferner,
