 wo er hinkommt, ist wieder dasselbe da und ruft:
»Geh herum!« Zuerst hab' ich das alles ganz allein durchlebt, aber es hätte mich
einfach erstickt, ich musste mit Detlev davon sprechen. Und da kamen wir uns
wieder so viel näher, er hat mir dann auch die andern Bücher gegeben, und was
waren das für Stunden, wenn wir zusammen darüber sprachen. Er arbeitet abends
immer in meinem Zimmer, und da reden wir oft die ganze Zeit von alledem. Dann
erzählte er mir auch von Ihnen, und ich versuchte, ihm das Verantwortungsgefühl
auszureden, weil ich Sie so gerne kennenlernen wollte. Als ich Sie ein paarmal
gesehen hatte, wusste ich ja gleich, dass wir uns verstehen würden. Und wie Detlev
es dann durchsetzte, dass ich zu dem Tanzabend mitdurfte - sehen Sie, da hatte
ich das Gefühl, als ob etwas Entscheidendes kommen müsste, jetzt oder nie. Sonst
wäre es wieder an mir vorbeigegangen, und ich hätte in dem alten Elend
weiterleben müssen. - Und nun ist es wirklich geschehen - als ich hinter Mama
und Detlev nach Hause ging mit Ihrem Brief in der Tasche, dachte ich immer nur:
jetzt kann kommen, was will, das können sie mir doch nicht mehr nehmen.
    Dass wir uns öfter sehen, wird allerdings schwierig sein, ich weiß schon gar
nicht, wie ich immer zur Post kommen soll, um Ihre Briefe abzuholen - also wenn
möglich, Mittwoch im Dom, die Tür beim Turm ist ja immer offen.
    Und nun leben Sie wohl - es kommt mir vor, als ob ich Ihnen so viel zu sagen
hätte, dass es nie ein Ende nimmt.
                                                            8. März, nachmittags
Eben komme ich von unsrer so schmählich zerrissenen Zusammenkunft im Dom zurück.
Der Schrecken sitzt mir noch in allen Gliedern. Gott im Himmel, wenn mein Vater
uns gesehen hätte - ich hätte mir auch denken können, dass er unserm Besuch die
Kirchen zeigen würde. Und was der Kirchendiener wohl gedacht hat, als wir auf
allen vieren zwischen den Bänken durchliefen. Es war eine gute Idee von Ihnen,
denn sonst hätten sie uns sicher gesehen.
    Aber es war doch schön, dass wir uns wenigstens so lange in Ruhe unterhalten
konnten.
    Glauben Sie nur nicht, dass ich Ihnen unsre häuslichen Verhältnisse
übertrieben habe. - Seit wir hier sind, habe ich mit Mühe erreicht, dass ich den
ganzen Tag in meinem Zimmer sein kann und nicht mehr nähen muss. Da habe ich mir
mit einer spanischen Wand eine Art Atelier eingerichtet, wo ich male und
modelliere. Aber es ist unmöglich, allein weiterzukommen - ich darf weder
Modelle nehmen, noch mir Gipsabgüsse ausleihen. Meine Mutter findet, ich soll
dann
