 er trank und trank. Und wenn der
Becher leer war, wollte sie ihm sagen: »Jetzt ist es vorbei!« Aber bis dieser
Augenblick kam, sollte nichts die langen Sommertage trüben.
    Hier und da blieben sie länger an einem Ort, der sie besonders anzog, und in
diesen Ruhetagen kam es oft zu langen Gesprächen wie früher daheim, wenn
Reinhard an seinem Schreibtisch saß und Ellen in der halbdunklen Ecke auf dem
Diwan lag. Dann schien es ihm manchmal, als ob ihre Frohheit sich auf
Augenblicke verdunkelte, und es durchfuhr ihn plötzlich: sollte nicht irgendeine
geheime Angst hinter alledem stecken? Vielleicht fürchtete sie, wieder krank zu
werden wie im letzten Winter, nicht arbeiten zu können - -
    Und Ellen konnte dann so seltsam sein und seltsame Sachen reden, fast wie im
Fieber.
    »Wenn nun mit einemmal alles vorbei wäre, Reinhard - könntest du das
ertragen?«
    »Ertragen - ich weiß nicht. Aber was sollte denn vorbei sein? Solange wir
uns haben, gehört uns das Leben, das hab' ich noch nie so gefühlt wie jetzt, und
du auch, glaube ich.«
    »Ja - aber wir wissen doch nie, was kommen kann. - Sieh mal, es gibt doch so
etwas wie Schicksal, was die Menschen voneinanderreissen kann - gerade so, wie es
uns beide zusammengeworfen hat. Wie kann man das wissen? - wenn nun einer von
uns sich in jemand anderen verliebte. - Ob du es zum Beispiel begreifen würdest,
wenn ich einmal etwas ganz Wahnsinniges täte - von dir ginge.«
    »Warum sprichst du so sonderbar, Kind? Willst du mir etwa fortlaufen? Wenn
du es tätest, müsste es doch einen Grund haben, und wenn deine Liebe aufhörte,
würde ich dich niemals halten wollen.«
    »Nein, so meinte ich es nicht - ich glaube, das, was zwischen uns beiden ist
- wie ich dich liebe - gerade dich, das kann nie zu Ende sein, wenigstens könnte
das nie einem anderen Menschen gehören. Aber anderes könnte vielleicht kommen -
ich weiß doch nicht, ob du mich ganz kennst. - Man fühlt doch manchmal Tiefen in
sich, wo nie jemand anders hineinschauen kann, etwas Wildes, das vielleicht
immer schlafen bleibt, aber es könnte auch einmal herauswollen und dazu treiben,
alles, was schön und gut ist, zu zerstören - dass wir gerade das Unglück wollen -
einfach müssen. Und würdest du das verstehen - bei mir? Wenn ich dir sagte, du
musst mich freilassen, weil ich in mein Unglück hineinrennen will?«
    »Ellen, es ist mir beinah unheimlich, wenn du so redest - was soll das? Es
sind Phantasien, kranke Gedanken
