 dass Ihr mir
später rechtgeben und meine Umsicht bewundern würdet. Ich bin aber ein Schaf,
Effendi, das allergrösste Schaf, das es gibt, so weit das Gras hier auf den
Bergen wächst!«
    »Da hast du Recht, Tifl! Du solltest bei den Takikurden geschoren werden.
Sei froh, dass du mit dem Felle davongekommen bist!«
    Als ich hinauf zum Ustad kam, empfing er mich mit den Worten:
    »Du wirst mich nach Tifl fragen wollen. Mir liegt aber zunächst etwas
Anderes auf dem Herzen, wovon du in Dschafars Gegenwart nicht gesprochen hast,
nämlich Syrr. Er zeigte mir das Pferd, als ich ihn unterwegs traf, und auch der
Schah sprach sogleich mit mir davon. Als wir in jener Nacht hier bei mir von
Syrr sprachen, konnten wir nicht ahnen, dass er sich eine Woche später bei uns
befinden werde. Ich sehe unserm Rennen mit Zuversicht entgegen; aber diese
Zuversicht würde sich verzehnfachen, ja verhundertfachen, wenn Jemand hier wäre,
der ihn reiten könnte. Der Schah ist sehr gespannt darauf, ob du es fertig
bringst. Er hält es sogar für nicht unwahrscheinlich, dass es dir gelingen werde.
Aber die Tatsache, dass er dich aufsitzen lässt und dich trägt, wohin du willst,
genügt doch für so ein Rennen nicht. Du hättest ihn erst wochen-, vielleicht
sogar monatelang zu studieren, um seine Schule zu entdecken. Sodann bist du ja
noch krank. Es müsste also ein Anderer sein, und den gibt es nicht.«
    »Was du da sagst, ist Alles, Alles Nebensache, mein Freund,« antwortete ich.
»Die Hauptsache ist doch wohl, ob wir uns anmassen dürften, Syrr zum Rennen zu
benützen.«
    »Unbedingt, unbedingt!«
    »Du meinst, dass der Schah nichts dagegen hätte?«
    »Dagegen? Er würde sich sogar freuen, herzlich freuen, zeigen zu können, dass
seine Schule alle andern Schulen schlägt. Der Kampf würde aber ein heißer, sogar
ein entscheidender werden, denn wisse, der Teufel wird gegen uns geritten, und
Ahriman reitet ihn selbst!«
    »Der Teufel? Was ist das für ein Pferd?«
    »Eine Khorassan-Schecke von wunderbarer Schnelligkeit und Ausdauer. Sie
gewann noch jedes Rennen, und zwar spielend, selbst gegen die berühmtesten
Pferde. Man hält sie für unbesiegbar und wagt es schon seit Jahren nicht mehr,
gegen sie zu setzen. Es heißt Teufel und ist ein Teufel, der oberste aller
Teufel. Darum heißt die Schecke nicht bloß Schetan oder Scheitan, sondern Iblis.
Und bezeichnender Weise ist dieser Iblis nicht im Besitze eines Mannes, sondern
eines Weibes. Du wirst staunen. Seine Herrin ist nämlich jene
