 der vierzig
amüsantesten Männer New Yorks gehört. Er war recht nett und unterhaltend,
äußerte aber leider nichts so erstaunlich Amüsantes, dass es nicht auch
außerhalb dieses Klubs hätte erdacht werden können. Ich wartete den ganzen
Abend darauf, wie auf das Bukett beim Feuerwerk. Aber es stiegen nur einzelne
Raketen auf.
    Es gehört doch Selbstvertrauen dazu, sich um die Mitgliedschaft dieses Klubs
zu bewerben! Ich fragte, was man denn täte, wenn man blackballiert würde, und ob
man dann sein Lebenlang die Etikette trüge, ein langweiliger Mensch zu sein? Mr.
Anstruter antwortete: »Dann geht man nach Hause und schreibt ein gescheites
Buch und nennt es: a clever book by a bore.«
    »Das ist möglicher, als es zuerst klingt,« meinte Bridgewater, »denn es ist
leichter, ein gescheites Buch zu schreiben, als im täglichen Leben amüsant zu
sein - Bücher werden mit dem esprit d'escalier geschrieben, der häufig vorkommt,
amüsant ist man durch die viel seltenere Gabe der repartie, und vor allem durch
Sinn für Humor.«
    »Und wegen dieses Sinns für Humor sind amüsante Menschen eigentlich nie
lustige Menschen,« sagte Anstruter, »denn der Humor sieht die traurige Komik
des Lebens, den Widerspruch zwischen Aspirationen und Leistungen, zwischen dem,
was man sich einbildet, und dem, was wirklich ist. Humor existiert deshalb auch
selten bei jungen Menschen, er kommt mit den Jahren, und in gleichem Masse, wie
er wächst, schwindet die Fähigkeit eigentlicher Lustigkeit.«
    Da Mr. Bridgewater soviel im Ausland gelebt hat, sind Fremde häufig bei ihm
zu Gaste, und wir trafen dort eine russische Witwe, Madame Baltykoff, eine
Schriftstellerin, die Mr. Bridgewater in Petersburg gekannt hat und die nach New
York gekommen ist, um das amerikanische Leben zu studieren und dann das
unvermeidliche Buch darüber zu schreiben. Madame Baltykoff ist jung und hübsch,
voller Interesse und Begeisterung für amerikanische Einrichtungen; natürlich
erwidern das die Amerikaner, indem sie ihrerseits von Madame Baltykoff
begeistert sind. Anstruter scheint besonders für sie zu schwärmen. Mir gefällt
an ihr, wie sie aus dem Enthusiasmus leicht in Witz und Spott überspringt, alles
plötzlich wieder in Frage stellend. Heiliger Ernst und Blague, ungefähr zu
gleichen Teilen - eine echt slawische Mischung.
    Die Amerikaner, die bei dem Diner zugegen waren, sind alle weitgereiste und
gebildete Leute, besonders auch die Frauen. Aber keiner von ihnen scheint
tätigen Anteil am amerikanischen politischen Leben zu nehmen. Sie waren offenbar
stolz auf ihr Land, aber sie schienen es als einen Eilzug anzusehen, mit dem sie
gern zu reisen bereit sind, aber dessen Führung sie lieber andern überlassen.
Denn in Amerika zeigen gerade die Besten eine gewisse Scheu
