 in Zürich an Georges in Chur
Lieber Georges!
    Du kommst zwar morgen zurück, aber dies ist etwas, das ich lieber
schriftlich als mündlich mit dir bespreche. Weißt du, wenn du mit mir schlechte
Witze machst, das schadet ja nicht, aber Leute wie diese Missionare haben ein zu
kitzeliges Fell, die solltest du in Ruhe lassen! Du hast dir den schlechten Witz
erlaubt, bei ihnen anzufragen, ob sie dich zum Missionar ausbilden wollen, und
sie haben natürlich nein gesagt.
    Die Antwort kam an mich, war grob abweisend, ich schicke sie dir nicht. Aber
wie konntest du auch solche Leute necken!
    Gefällt dir die Tätigkeit auf der landwirtschaftlichen Versuchsstation? Wäre
das nichts? Auf Wiedersehen! Mit Gruß
                                                                       Josefine.
                  Georges Geier in Chur an Josefine in Zürich
Meine unvergleichliche Séfine!
    Ich bin ein unglücklicher Mensch - das beste für mich wäre ein Mühlstein an
meinen Hals gehängt und im Meere ersäuft.
    Es war aber kein schlechter Witz von mir, es war mein heiliger Ernst,
Missionar zu werden, und ich hoffe, meinen Plan doch noch durchzusetzen.
    Ist es nicht unendlich viel leichter, den anderen zu predigen, wie sie sein
sollen, als selber gut zu sein? Die Gabe des Wortes ist mir verliehen, wie du
weißt, Séfine, ich besitze die Gabe der Beredsamkeit! Die Gabe des Gutandelns
besitze ich nicht, also halte ich mich an das, was ich habe. Man muss Gott für
alles danken! Wer war der heilige Augustinus, he? Ich identifiziere mich mit
ihm, ich habe Visionen wie er, ich fühle den Drang, zu belehren, wie er! Die
Baseler sind dumm, ein Genie wie meines zurückzuweisen! Sie werden es bereuen,
wenn ich ohne ihre Hilfe zur Heiligkeit gelange. Denn dazu gelangen werde ich,
eben weil ich die Gabe des Wortes besitze. Ich behaupte, dass ich durch den
Besitz dieser Gabe und durch den Mangel an anderen Gaben zum Missionar geradezu
prädestiniert bin. Mein ganzes früheres Unglück hätte mich nicht betroffen,
falls ich meinen Beruf gleich anfangs erkannt hätte. Ich hätte tun können, was
ich getan - es hätte nicht geschadet, einem Missionar hätte es nicht geschadet.
Sie tun mehr, und es schadet ihnen nicht. Ich fühle den Beruf in mir, zur Busse
zu posaunen!
    Diese Schwarzen und Braunen und Gelben, die ich dem Himmel gewinne, werden
für mich Fürbitter sein. Kurzum, es ist ein Geschäft, und ein gutes Geschäft,
und ich werde doch noch hineinkommen. Es ist leicht zu erlernen, ich besitze
bereits die erforderlichen Kenntnisse. Predigst du nicht auch, unvergleichliche
Séfine? Hast du für mich etwas anderes gehabt als schöne Worte? In deiner Frage,
wie mir
