 nicht so
recht.
    Wenn der Abend nicht wäre!
    Es stirbt was in mir - immer wieder stirbt was in mir - und das schmerzt so
sehr.
    Eine Hand! Eine Menschenhand! Nur noch ein Mal!
    Ich fürchte nur, es ist zu spät.
    Die Hand, die ich suche, ist wohl kalt - eine Totenhand.
Nach diesen Geschichten ergriff wieder der Pyramideninspektor Riboddi, der mich
gerettet hatte, das Wort.
    »Gehen wir,« sagte er, »gleich auf den Kern der ganzen Geschichten los. Ich
reizte Dich anfänglich, mir etwas Schmerzliches zum Lesen zu geben. Und dem
entsprechend ist das Meiste, was Du uns bisher gegeben hast, wirklich etwas
Schmerzliches. Es liegt in allen Deinen Sachen, mein liebes Onkelchen, eine
kleine Quantität Schwermut - Unzufriedenheit mit der Welt und mit dem Leben. Und
diese Schwermut und diese Unzufriedenheit wollen wir Dir austreiben, denn sie
erscheinen uns für einen Menschen, der was von der Welt und vom Leben begreifen
möchte, als etwas Unschickliches. Nur Leute, denen es am nötigen Grips mangelt,
können schwermütig und unzufrieden sein.«
    Ich rauchte schweigend weiter und sagte nichts.
    Und der King Tutmosis meinte nun:
    »Liebes Onkelchen! Obgleich ich Dich nicht gerettet habe, musst Du mir schon
erlauben, Dich so zu nennen, wie's der Inspektor tut.«
    Ich verbeugte mich höflich, aber da riefen alle durcheinander:
    »Nu rede mal was!«
    »Was fehlt Dir?«
    »Wir wollen Dir helfen.«
    »Los! Los! Mit Stillschweigen macht man sich hier nicht interessant. «
    Mit diesen und ähnlichen Worten stürmten sie auf mich ein, und ich musste
mich ganz deutlich erklären; ausweichen konnte ich nicht, obschon ich's am
liebsten getan hätte.
    »Wie ich's auch drehen mag,« sagte ich zögernd, »ich komme immer wieder in
eine Gemütsverfassung, in der ich der Welt und dem Leben beim besten Willen
keinen Geschmack abgewinnen kann. Ich sage nicht mit meinem Weltprotz: Ich mag
nicht. Ich sage vielmehr ganz deutlich ohne jedes persönliche Ekelgefühl:
    Mir ist die ganze Geschichte unsympatisch. Ich halte mich eben, da ich doch
existiere, für berechtigt, der ganzen Existenzkomödie kritisch
gegenüberzustehen. Das einfach-persönliche Unbehagen will ich für überwindlich -
wohl auch für protzenhaft-blasiert - und jedenfalls für unberechtigt halten.«
    »Halt!« rief nun der General Abdmalik, »so kommen wir nicht weiter. Gib uns
mal zunächst eine größere Anzahl von Geschichten her, in denen das persönliche
Stimmungselement mehr im Hintergrunde bleibt.«
    Das setzte mich nun in große Verlegenheit, denn ich wusste nicht recht,
welche Geschichten, hier am Platze sein könnten
