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    Alles ist wie einst! - Es spielt sich bloß schön umrahmt in herrlichen
Palästen und Domen ab, die so groß sind, dass man gar nicht durchsehen kann.
Sonst ist kein Unterschied.
    Die guten Menschen sind natürlich mit Allem zufrieden - aber die bösen
Menschen sind natürlich mit nichts zufrieden - ihnen genügt nicht die Alles
belebende Sonne der Baukunst - sie wollen Abendbrot mit Austern und starkem
Getränk - ununterbrochenes Vergnügen mit Tingeltangel und Schlittenfahrt.
    Die guten Engel wollen die bösen Menschen besänftigen und trösten, sagen
freundlich: »Kinder, Ihr wisst gar nicht, was Euch frommt! Leid und Freud sind in
jedem Menschenleben ganz gleichmäßig verteilt. Diese ist ohne jenes gar nicht
denkbar. Seid vernünftig! Alle Wünsche sind nicht erfüllbar. Ist es nicht genug,
dass wir Euch eine angenehme Umgebung geschaffen haben? Ihr wollt bloß immer
vergnügt sein - und das geht doch nicht.«
    »Warum nicht?« schreien die Bösen.
    »Weil's Euch langweilen würde!« antworten die Engel, und sie gähnen, während
sie an ein ewiges Glück denken.
    Die Bösen aber lachen - so hässlich, dass die guten Engel ernstlich böse
werden.
    »Man sollte Euch eigentlich,« fahren sie in schärferem Tone fort, »piesacken
- mit feurigen Zangen. Die Dummheit muss mit Feuer und Schwert ausgerottet
werden. Ihr werdet's niemals verstehen, dass anständig wohnen besser ist als
anständig leben. Wie die Pflanzen der Erde hauptsächlich nur von Licht und Luft
lebten, so sollt Ihr jetzt auch hauptsächlich von dem leben, was Euch umgibt -
von dem Licht und von der Luft der göttlichen Baukunst, die die wahre Kunst ist.
Ist es Euch tatsächlich nicht genug, in diesen himmlischen Strahlburgen leben zu
können? Wisst Ihr immer noch nicht, was es heißt: in einer Traumwelt daheim zu
sein? Das ist doch die prickelnde Auster der Armut! Was sind dagegen alle
Kaninchen des Reichtums? Eine große Quarkerei - nicht mehr! Euer Leben soll nur
ein Akkord in der Sphärenmusik des Alls sein - Euer Schmerzenslaut ist also
nicht zu entbehren - sonst wird ja die Sphärenmusik so weichlich wie Milchreis!
Ihr unglaublichen Nilpferde!«
    Die Bösen schütteln sich vor Lachen und halten sich den Bauch. Die Engel
bleiben aber ganz ernst, sie sagen noch traurig: »Ihr kommt ja sämtlich nicht zu
kurz! Die Qualen des Bettlers werden gleich mit Freuden belohnt, von denen die
armen Könige nichts wissen. Und zu alledem kommt noch diese prunkvolle Traumwelt
Eurer Wunderpaläste.«
    »Die macht uns grade erst recht begehrlich! Wir wollen keinen Selbstbetrug!«
    Also schreien wild durcheinander die dummen Bösewichter, die immer vergnügt
und selig sein wollen.
    »Na, wenn Euch der Selbstbetrug nicht passt
