 nicht nur um den Besitz meiner Persönlichkeit, sondern sogar um
jedes meiner Worte und um jede meiner Taten. Wer von ihnen zuerst dagewesen und
wer dann später gekommen ist, der Hadschi oder der Halef, das kann ich nicht
sagen, denn ich habe damals nicht aufgepasst. Seit einiger Zeit aber beobachte
ich sie sehr genau, und da bemerke ich, dass sie eigentlich gar nicht zu einander
gehören und doch unendlich schwer von einander zu unterscheiden sind. Aber
bemerkt habe ich doch, dass der Halef die Wahrheit liebt und von dem andern
nichts, gar nichts wissen will, während aber im Gegenteile der Hadschi sich oft
die größte Mühe gibt, mich zu belügen und zu betrügen, indem er sich stellt,
als ob er der Halef sei. Darum habe ich diesem Hadschi schon hundertmal die
Gastfreundschaft in mir gekündigt; aber er hat keinen Gehorsam und kein
Ehrgefühl; er bleibt, wo er ist, und wenn ich ihn einmal vorn zur Türe meines
Zeltes hinausgeworfen habe, so ist er im nächsten Augenblicke hinten unter der
Leinwand schon wieder zu mir und in mich hereingekrochen. Sihdi, wenn ich den
Kerl fassen könnte! Leider aber ist mir das nicht möglich! Er hat weder vor mir
noch vor andern Leuten Angst, und es gibt nur einen, vor dem er sich fürchtet.«
    »Wer ist das?«
    »Das bist du. Ja, du! Vor dir scheint er einen ungeheuren Respekt zu haben,
aber weniger vor deiner Gestalt, als vielmehr vor deinen Augen. Erst seitdem ich
dies bemerkt habe, weiß ich, dass es Augen gibt, welche der Warnung, und wieder
andere, welche der Verführung dienen. Ich habe sehr oft schon in Augen gesehen,
bei deren Blick dieser Hadschi sofort zu prahlen und zu übertreiben beginnt.
Aber wenn du mich anschaust, weißt du, so ernst und doch so lächelnd, da kann er
gar nicht anders, da ist er sofort still. Er schämt sich vor dir; ja er flieht
vor dir. Wie das nur kommen mag? Kannst du es mir erklären?«
    »Vielleicht. Er flieht nämlich nicht vor mir, sondern vor dem guten Halef in
dir. Dieser ist es ja, den ich lieb habe, und wenn die Liebe mein Auge auf dich
richtet, ruft sie ihn wach und steht ihm bei, den andern zu besiegen. Das ist
ein Rätsel des menschlichen Seelenlebens, welches du nicht lösen kannst.
Versuche also nicht, ihm nachzuforschen!«
    »Diese Warnung ist gar nicht nötig, denn du weißt ja, dass ich kein Freund
von Rätseln bin. Aber über die beiden in mir wohnenden Wesen möchte ich doch gar
so gern ins Reine kommen. So oft ich über sie
