 nachdem sie
sich so empört über ihn geäußert hatte.
    Aber bei Lena freilich kam eben immer alles anders als man es voraussah. Das
hatte sie nun von ihrer Mitteilsamkeit.
    Nun würde Lena ihm am Ende noch zureden, nach Berlin zu kommen. Hätte sie
ihr doch lieber gar nichts von dem Brief gesagt! Franz hatte ja nur an ihr
eigenes Urteil appelliert!
    »Aber Lena, ich begreife Dich nicht, Du warst doch so wütend auf ihn!«
    Lena lachte:
    »Aber nun bin ich's nicht mehr. Franz ist doch jetzt was, und wenn man erst
was ist, dann wird man auch gleich ein anderer Kerl mit anderer Einsicht und
anderen Anschauungen. Sieh mich doch 'mal an! Bin ich nicht wie ausgewechselt,
seitdem ich Ladenbesitzerin bin? Und denk' 'mal, wie fein Lotte, wenn Franz hier
ein großes Geschäft aufmacht - in der Leipzigerstrasse oder vielleicht gar
Unter den Linden! So was wie Borchardt in der Französischen Straße! Famos, was?
Dann brauchst Du auch nicht mehr Hungerpfoten zu saugen, Lotte! Dann bestellen
wir uns Diners bei ihm, und Sekt, und alle möglichen guten Sachen!«
    »Aber Lena -!«
    Lena ließ sich nicht stören.
    »Und weißt Du, das kann einem wahrhaftig kein Mensch übelnehmen, dass es
einen kitzelt, jemandem, der eine so schlechte Meinung von einem hat, eine
andere beizubringen. Ich könnte vor Vergnügen bis an die Decke springen, wenn
ich nur denke, was Franz für Augen machen wird, wenn er mein türkisches Boudoir
und mein Speisezimmer zu sehen kriegt.«
    Sie umarmte Lotte stürmisch.
    »Das Leben ist doch zu hübsch, Lotte! Na, nun muss ich aber nach Hause! Wenn
wir uns bis zu Deinem Umzug nicht sehen sollten, schreibst Du mir wohl gleich
Deine neue Adresse. Zieh' nur nach dem Westen 'raus. Wenn es auch noch so weit
von der Stadt entfernt ist, das ist jetzt chic.«
    Und damit war Lena herausgewirbelt wie ein bunter Schmetterling, den man
noch eben zu halten glaubt und der, ehe man sich's versieht, schon wieder durch
die blaue Luft taumelt. -
    Gerhart hatte Lottes Ankündigung, dass sie ihre Wohnung in der Zimmerstrasse
aufgegeben habe, ruhiger aufgenommen, als sie es nach früheren
Auseinandersetzungen über diesen Punkt hatte erwarten dürfen. Auch Gerhart riet,
nach dem Westen herauszuziehen, wo sie mehr freie Luft und Gelegenheit zu
gesunder Bewegung habe. Was wollte sie zwischen den Häuserkolossen der inneren
Stadt! Sie war wahrhaftig schon blass und elend genug, als dass sie noch
notwendig gehabt hätte, verdorbene Luft und betäubenden Strassenlärm eigens
aufzusuchen.
    Damit war die Angelegenheit vorerst für ihn erledigt gewesen,
