 ich etwas besonders Verrücktes ausgeheckt hatte und dann
davonlief und ihn stehen ließ, weil er doch nicht hätte mittun können. Nach
und nach hat er's aber eingesehen, dass ich eine viel zu moderne Frau bin, um
mir an einer langweiligen Wirtschaft genügen zu lassen. Ganz ausgefochten aber
ist unser Streit noch immer nicht. Er will, ich soll mit dem Geschäft nach
seiner elenden Gegend übersiedeln, ich will natürlich hier bleiben. Ist es nicht
schon schlimm genug, dass man in diesem ordinären Stadtteil wohnen muss? Nicht
um die Welt verleg' ich mein Geschäft dahin. Abgesehen von allem Übrigen, würde
mir ja meine ganze Stammkundschaft flöten gehen. Na, ich werde ihn schon noch
rumkriegen.«
    Lotte war sehr nachdenklich geworden.
    »Wenn Du Deinen Willen durchsetzst, Lena, werdet Ihr Euch ja den ganzen Tag
kaum sehen?«
    Lena lachte wieder.
    »Du bist gerade so spiessig wie Franz. Ich glaube wirklich, ihr beide hättet
doch besser zu einander gepasst. Deswegen brauchst Du nicht rot zu werden,
Lotte. Jetzt habe ich ihn einmal und behalte ihn; trotz alledem bin ich nämlich
schrecklich verliebt in ihn. Also wovon sprachen wir gerade? Richtig, dass wir
uns auf diese Weise den ganzen Tag nicht sehen würden. Der reine Unsinn. So was
könnt Ihr auch nur behaupten. Sehr praktisch habe ich mir schon alles
ausgedacht. Vor allen Dingen werden Räder angeschafft. Du weißt, Bornstein hat
es nie haben wollen, sonst hätte ich längst geradelt. Auf diese Weise brauche
ich nicht mehr als gute zehn Minuten vom Moritzplatz bis hierher. Morgens um
neun fahre ich ab und um fünf - wir machen natürlich englische Tischzeit - radle
ich wieder herein. Wenn dann was besonderes vorliegt, kann ich abends immer noch
'mal heraus. Hat Franz Lust und Zeit, kann er mich ja dann begleiten. Pass nur
auf, er gibt schon nach, und schließlich gefällt es ihm selbst ganz gut, dass
wir nicht den ganzen Tag zusammenhocken. Für eine Ehe, in der nicht jeder seine
Freiheit hat, danke ich bestens.«
    Lotte wollte gerade eine Antwort geben, die im ausgesprochensten Gegensatz
zu Lenas Anschauung gelautet haben würde, als Franz eintrat.
    Bei Lottes unerwartetem Anblick stutzte er einen Augenblick. Eine große,
peinliche Verlegenheit schien Herr über ihn werden zu wollen. Aber dann warf er
sich trotzig in die Brust.
    Sie selbst hatte ihn ja in Lenas Arme getrieben. Und als ob er ihr hätte
beweisen wollen, wie wohl ihm darin sei, herzte und küsste er seine Braut, dass
Lotte sich errötend abwandte. -
    Die Hochzeit war für Anfang Juni festgesetzt worden, bis dahin konnte Lenas
Ausstattung fertig sein und Franz' Geschäft einen
