 gute Idee, seine Schwester
Elisabet nach Heringsdorf mitzunehmen. Elisabet sei immer verständiger als die
Mutter und Klementine gewesen und habe nicht so alberne Vorurteile. Na, Du
weißt ja weswegen, und ich weiß, dass Du sie auch hast, aber Dir verdenk' ich
das auch gar nicht, Lotte. Alles kam wirklich, wie Strehsen gesagt hatte. Ich
brauche nur zu winken, dann käme sie, Elisabet nämlich, und zwar mit Wonne,
denn sie hätte im Grunde immer zu mir und gegen die andern gehalten, behauptete
sie. - Wir wollen eine nette, kleine, bescheidene Wohnung nehmen, wie es deren
dort geben soll. Jetzt besonders in der zweiten Saison soll man ganz billig
leben können. In acht Tagen kommen Bornstein und Kurt nach. Die werden dann
natürlich als Grossprotzen im Kurhaus wohnen. Ich freue mich unbändig und
wünschte, Du könntest mit. Schreibe mir doch bald eine Zeile, wie es Dir geht.
                         Deine Dich liebende Schwester
                                                                          Lena.«
Lotte legte den Brief vor sich auf die eingelegte Tischplatte und stützte den
schweren müden Kopf in die Hand. Es war recht gut, dass sie Lena nicht gefunden
hatte. Lena war so glücklich, weshalb sollte sie ihr durch ihr eigenes Leid das
Leben verbittern? Wirklich helfen konnte sie ihr ja doch nicht. Bis Lena zurück
war - das blonde Mädchen hatte von vier Wochen gesprochen - würde sich
vielleicht schon so manches geklärt und verändert haben. Vielleicht war sie bis
dahin verheiratet oder fort von Berlin. Frau Korn, mit der sie jetzt alles
besprach, wollte von dem letzten Plan freilich absolut nichts wissen.
    »Das fehlte bloß, unter fremde Menschen gehen, allein und verlassen sein in
der schweren Stunde, und dafür noch sauer verdientes Geld bezahlen - daraus wird
nichts. Hier bleiben Sie. Ich werde Sie schon pflegen ich versteh' mich d'rauf.
Wenn man sieben gehabt hat, lernt sich das.«
    Widersprochen hatte Lotte nicht, aber zugestimmt noch weniger. Sie hatte
über alles dies ihre eigenen Gedanken. -
    Jetzt steckte sie Lenas Brief in die Tasche und machte sich zum Gehen
bereit.
    Als sie in den Laden zurücktrat, fragte das Ladenfräulein in seiner kurzen
schnippischen Art, ob sie die Blumen etwa doch noch 'rausbringen solle, oder ob
es nun nicht mehr nötig sei.
    Lotte dankte und nahm sich vor, in Lenas Abwesenheit den Laden nicht mehr zu
betreten.
    Die dreiste Art dieses Mädchens war ihr äußerst unbehaglich. Sie begriff
nicht, wie Lena es mit solch einem Geschöpf aushalten konnte. Aber Lena hielt es
nicht nur mit ihr aus, sondern war sogar sehr zufrieden mit ihrer Angestellten,
von der sie behauptete, dass sie ihr Geschäft ausgezeichnet verstehe. Möglich,
dass
