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    »Ja,« nickte ich; »deine Hanneh ist ganz gewiss die herrlichste aller
Frauen!«
    »Ganz gewiss! Richtig! Aber deine Emmeh auch! Und damit es zu keinem Streite
und Zusammenstosse zwischen ihnen komme, wollen wir vorsichtig sein und
folgendermaßen beschließen: Meine Hanneh ist die herrlichste Frau des Morgen-,
und deine Emmeh ist die herrlichste Frau des Abendlandes. Bist du damit
zufrieden?«
    »Ja.«
    »Du kannst da aber auch wirklich ganz zufrieden sein, denn wenn du dadurch
von mir ohne alle Widerrede die herrlichste Frau des Abendlandes bekommen hast,
darf keine andre dort von nun an wagen, sich mit ihr zu vergleichen. Sage ihr
das, wenn du in dein Duar12 heimkehrst, damit sie erkenne, was für ein Freund
ich von dir bin und also auch von ihr! Allah erhalte sie jung; er gebe ihr
schwarzgefärbte Augenwimpern, seidene Bänder in die Zöpfe und die schönsten,
roten Fingernägel!«
    Es meldeten sich auch wirklich so viele Haddedihn, dass sie gar nicht alle
mitgenommen werden konnten, sondern eine Auswahl getroffen werden musste. Der
Ritt durch die großen arabischen Wüsten wäre des Wassers wegen um so schwieriger
gewesen, je mehr Personen sich an demselben beteiligten. Und bei einer so großen
Schar, wie sich gemeldet hatte, hätten wir an einen längeren Aufenthalt in Mekka
gar nicht denken können. Darum wurde bestimmt, dass für jetzt nur fünfzig Krieger
teilnehmen durften; den andern wurde es freigestellt, dann wieder eine Auswahl
unter sich zu treffen und die durch sie bestimmten dann nachfolgen zu lassen. Es
war nämlich jetzt noch nicht die Zeit der eigentlichen Hadsch, des großen
Pilgerzuges. Da bei diesem die Scharen der Mohammedaner zu vielen, vielen
Tausenden aus allen Himmelsrichtungen in Mekka zusammenströmen, so war zu dieser
Zeit die Gefahr des Erkanntwerdens am größten. Darum wollten wir jetzt schon
hin, wo der Andrang nicht so groß war und ich meine Studien mit mehr Musse machen
konnte. Waren wir dann bei der Ankunft der großen Hadsch noch dort und ich fand
Grund, mich schnell in Sicherheit zu bringen, so konnte ich das in dem
befriedigenden Bewusstsein tun, meinen Zweck trotzdem und schon vorher erreicht
zu haben. Es zwang uns ja nichts, zur eigentlichen Pilgerzeit in der Stadt der
Kaaba einzutreffen, weil der Moslem auch außerhalb derselben, während des ganzen
Jahres, seinen religiösen Obliegenheiten dort nachkommen und die ihm nach seiner
Ansicht dafür gebotenen geistlichen Vorteile sich aneignen kann. Über die von
der mohammedanischen Priesterschaft verbreitete Annahme, dass eine Minute
Aufenthalt in Mekka während der Hadsch wertvoller sei und mehr Segen bringe als
ein ganzer Tag zu gewöhnlicher Zeit, waren, von mir gar nicht zu sprechen, Halef
und seine Haddedihn schon längst hinaus. Sie schenkten
